Donnerstag, 27. November 2014
Interview : ZERAPHINE PDF Drucken E-Mail

Zeraphine, die im Jahre 2000 von Sänger Sven Friedrich und  Gitarrist Norman Selbig gegründete und mittlerweile zum Quintett angewachsene Dark Rock Band, bringt am 11.06.2010 ihr fünftes Album heraus, Grund genug für Sparklingphotos, Sänger Sven Friedrich zum Interview über Engel, Fanclubs und das Album „Whiteout“ zu befragen.


Hi Sven, wie geht es dir?

Nicht schlecht, obwohl ich extremst überarbeitet bin, da ich an der DVD Beilage und am Artwork sitze, damit alles fertig wird und ich habe nicht mehr so viel Zeit. Ich mache die Nächte seit zwei Wochen fast durch, und das kann ganz schön schlauchen, ich stehe etwas neben mir. (lacht)


Auf dem Artwork der CD wirst Du quasi „zerissen“ dargestellt? Hat das eine tiefere Bedeutung oder fandest Du das Bild einfach interessant?

Das Cover gestalte ich selber. Ich fand den zerrissenen, aufplatzenden Effekt ganz schick, aber eigentlich wollte ich darstellen, was auf der einen Seite zwar kaputt ist, aber auch die Versuchung beinhaltet, eine Schicht abzukratzen, um dahinter zu gucken. Diesen Effekt des Hineinschauens, um zu versuchen etwas genauer hineinzuschauen, fand ich total spannend. Ich wollte das eigentlich zuerst gar nicht mit meinem Foto machen, da ich es immer abgelehnt habe, dass mein Gesicht auf dem Cover ist, zumindest so deutlich erkennbar wie jetzt. Aber die Bandkollegen meinten, bevor man jemand anderes nimmt, der mit der Band gar nichts zu tun hat oder einen anderen Musiker, dann mach das doch bitteschön selber!


So eitel waren die Jungs aus deiner Band dann doch nicht, dass die sagen: nun bist du auf dem Cover und wo bleiben wir?

Nein, außerdem sind die auch im Cover zu sehen.


Was erwartet die Fans beim neuen, fünften Studioalbum WHITEOUT? Gibt es einschnei- dende Änderungen im Sound oder Songwriting?

Wir haben uns erstmal grundsätzlich nicht neu erfunden. Nach so einer langen Zeit ist immer die Frage, wie geht das so zusammen, haben wir immer noch den Sound, den man von Zeraphine kennt? Ich finde das immer frustrierend, wenn sich nichts erneuert und auf der anderen Seite zu anders wird. Wir haben es nicht bewusst darauf angelegt, wir haben einfach geschaut, was herauskommt und am Ende haben wir einen gewissen Grad gefunden. Zwei Songs fallen relativ stark raus, aber das haben wir immer dabei gehabt, ein paar experimentierfreudige Songs, das sind „Wieder allein“ und „Waiting for the day to end“. Der Track ist halt auch, was man von uns nicht zwingend erwarten würde. Die anderen Titel sind im typischen Zeraphine Gewand, aber trotzdem neu.


Du singst teilweise in Englisch und in Deutsch. Wie wird die deutsche Sprache im Ausland angenommen? Meinst Du, daß diese seit „Tokio Hotel“ salonfähig geworden ist?

Ich glaube eher seit Rammstein. Ich glaube, den Leuten ist es relativ egal, in welcher Sprache man singt. Man sieht es daran, dass wir auch Fanclub Mitglieder aus Nord- und Südamerika und auch Russland haben, die auch unsere CDs kaufen. Die finden die deutsche Sprache eher spannend, die beginnen, sich mit der deutschen Sprache zu beschäftigen und versuchen die Texte für sich zu verstehen. Und sie sind dann auch froh, wenn mal englische Lyrics dazwischen sind. Ich glaube nicht, dass es schwieriger für unsere ausländischen Fans ist, es ist für mich auch kein Grund, keine deutschen Texte mehr zu machen.


Ihr habt eine sehr treue Fangemeinde, neben den USA z.B. auch in Russland. Habt ihr engen Kontakt zu Fans? Auch im privaten Bereich?

Größtenteils ja. Es ist immer toll, wenn die Leute zu unseren Konzerten kommen. Da wir ja vorrangig in Deutschland spielen, ist es für sie immer ein Akt, hierher zu kommen. Die Fans melden sich dann, wenn sie nicht an Karten kommen und wenden sich an den Fanclub, der auch sehr gut funktioniert. Das ist mehr als nur eine Myspace Seite, sondern da steckt ein nettes Pärchen dahinter, welches zweimal im Jahr ein Fanzine und andere Gimmicks verschickt, spezielle Fanclubkonzerte veranstaltet und weitere Aktionen macht. Da lernt man sich natürlich auch kennen, auf Konzerten und Festivals.


Euer Bandame leitet sich vom hebräischen Wort Seraphim ab und beschreibt sechsflügelige Engel. Was sind Deiner Meinung nach die Engel unserer heutigen Zeit?

Ich habe vor allen Leuten Respekt, die sich nicht über die Natur hinwegsetzen, seien es Tierschützer u.a.. Zum Beispiel unsere Maskenbildnerin, die sich in ihrer Freizeit um gestrandete Robben kümmert und diese vom Öl befreit. Vor ihr habe ich größten Respekt, weil sie ihr Privatleben dafür aufopfert. Aber es gibt auch viele andere kleinere Beispiele von Leuten, die einfach gegen den Strom schwimmen, ich finde es immer toll, wenn Menschen in verantwortungsvollen Positionen die Natur zu schätzen wissen oder ihren Teil dazu beitragen, dass das Leben nicht ganz so schlimm ist. (Lacht)


Also weniger prominente Menschen, eher die kleinen Leute, die etwa ganz selbstlos machen.

Das ist genau der Punkt. Das sind Menschen, die wollen keinen Ruhm und ihre Taten an die große Glocke hängen, um zu zeigen, wie toll sie sind. Sie wollen einfach nur zum Beispiel Tieren helfen, Aktivisten von Peta beispielsweise. Solche Leute brauchen wir einfach.


Whiteout heißt soviel wie „Weißblendung“, wie seid ihr auf den Namen gekommen und welche Bedeutung hat er für Euch?

Ich bin auf den Namen gekommen. Whiteout bezeichnet das Phänomen, dass du bei einer schneebedeckten Landschaft und bei extremer Sonneneinstrahlung den Unterschied zwischen Himmel und Erde nicht mehr siehst. Durch dieses Phänomen sind bereits Flugzeuge gegen Berge geflogen und das fand ich ein ganz tolles Bild, weil durch einen äußeren Einfluss die Sicht auf Dinge verändert wird. Und darüber handeln auch manche Texte, dass Konturen verschwimmen, die Wahrnehmung eine andere wird oder sich verändert. Es ist immer sehr schwierig, einen Albumtitel zu finden. Es ist für mich immer wieder die Hölle. Es gab mal einen Song von Killing Joke, der Whiteout hieß und deshalb hatte ich mich vor einigen Jahren, genauer 1994, mit dem Thema auseinander gesetzt. Bei Blind Camera war das so, da hatte ich monatelang keinen Albumtitel gefunden. Bei Whiteout war der Name von einer Sekunde auf die andere da, habe kurz mit der Band Rücksprache gehalten und das war´s dann.


Wie entsteht eigentlich ein Zeraphine Song? Trefft ihr euch im Studio und macht eine Jamsession, oder bringt ein Bandmitglied eine Idee mit und ihr arbeitet das Stück dann gemeinsam aus?

Die meisten Songs schreibe ich im Groben vor und produziere den jeweiligen Song am Rechner, indem ich die Drums einspiele, den Bass und dann die Keyboards als Grundgewand. Dann überlege ich mir Gesang und Text und schicke ihn dann raus. Das ist als Sänger natürlich toll, man kann der Band den Song relativ fertig vorstellen, wobei es noch genügend Freiraum gibt, damit die Band sich noch entfalten kann. Und es passiert noch einiges mit den Songs und das finde ich auch gut so. Wenn jemand anderes aus der Band einen Song schreibt, dann arbeitet er ihn soweit aus, damit mir noch Gesangslinie und Text einfällt und mit dieser Demoversion gehen wir dann in den Probenraum und spielen und arrangieren ihn dann fertig.


Du bist auch mit deinem Soloprojekt Solar Fake recht erfolgreich. Worin liegt der Unterschied zwischen Zeraphine und Solar Fake, neben der Tatsache, dass Solar Fake sehr elektronisch ist?

Der große Unterschied ist, dass ich Solar Fake alleine mache und die Songs nicht mit „echten Instrumenten“ produziert werden, sondern mit synthetisch generierten Sounds. Solar Fake ist eine Art Electro. Ich versuche mit Solar Fake nicht ein typisches Electro Projekt zu machen, welches nur eine Schiene durchfährt. Ich möchte das Projekt so abwechslungsreich wie möglich halten, weil ich finde, dass es in der elektronischen Musik so viel Facetten gibt und die möchte ich natürlich so weit es geht alle einbauen, was natürlich nicht immer so einfach ist. Das ist im übrigen wieder der Unterschied, dass wir das bei Zeraphine nicht versuchen und im Gegensatz zu SF fünf Leute am Song arbeiten und dadurch eine Vielfalt von Ideen einbringen.


Vielen Dank Sven für das interessante Interview.

Ich habe zu danken.



Das Interview führte Frank Stienen im Mai 2010 mit Sven Friedrich (Zeraphine)