| REWIND-EASTER-FEST - B-Gent, Vooruit (06.04.-07.04.2012) |
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Nach drei Rewind-Mini-Fests war es 2012 an der Zeit etwas größer zu denken und so kam es kürzlich zum ersten Rewind-Easter-Fest, das wie schon die Mini-Fests im wundervollen Vooruit im belgischen Gent abgehalten wurde, allerdings im großen Saal. Auf dem Programm standen hauptsächlich Bands, die sich bereits in der Szene einen Namen gemacht haben, aber auch interessante Newcomer oder Bands, die man nicht so oft auf der Bühne sieht, standen im Line-up. Und so folgten knapp 2000 Zuschauer aus Belgien und den Nachbarstaaten dem deutlichen Ruf und wurden nicht enttäuscht.
Samstag, 06.04.2012: Los ging es mit Erato. Die Band ist von Bands wie The Sisters Of Mercy, Skeletal Family oder Ikon beeinflusst und präsentierte eine tolle Auswahl ihrer Songs. Insbesondere die Präsenz von Sänger Gorik ließ uns in Erinnerungen an alte Tage in den Achtziger Jahren schwelgen, in denen noch vorgenannte Bands Headliner solcher Shows waren. Man kann Erato nur gönnen, dass ihre Musik bei noch mehr Menschen Gehör findet, dann steht ihnen sicher eine blühende Zukunft in der Szene und auf den verschiedenen Bühnen bevor. Doch nicht nur die Zuschauer waren für ihren Auftritt dankbar, sondern auch die Band selbst zeigte sich von der Resonanz beeindruckt und verabschiedete sich mit den Worten: „Erato wishes to thank the wonderful audience who showed up early just to watch Erato play and gave such a big welcome to our new bass-player JoriZ DC. We had a great time and are convinced you had too! Thanks!”
Setlist: Als nächstes waren Schmutz an der Reihe und sie hatten zunächst mit technischen Problemen zu kämpfen. Zum einen klang der Bass wohl nicht wie gewünscht und zum anderen kämpfte Sänger Guy Peeters ständig mit seinem Mikrofonständer, bis er ihn irgendwann endgültig beiseite packte und ohne ihn weitermachte. Und das machte er eigentlich auch sehr gut und transponierte den New Wave der Belgier energiegeladen unter die Zuschauer, von denen doch einige sichtlich mit den Songs vertraut waren und diese lautstark mitsangen. Und für diesen Einsatz wurden die Fans natürlich auch zum Ende hin belohnt, als Schmutz ihren größten Hit „Love Games“ präsentierten. Ein guter Auftritt des Trios.
Setlist: Noch bevor das eigentliche Konzert anfing, bekamen wir quasi einen Vorab-Gig vorgesetzt, denn als Soundcheck spielten Department S gleich mal einen kompletten Song durch. Alles schien in Ordnung und so „verabschiedete“ man sich mit den Worten „We’ll be back in 3 minutes“ und genau nach eben diesen drei Minuten standen sie dann auch wie versprochen wieder auf der Bühne um den eigentlichen Auftritt zu eröffnen. Die Geschichte der Band reicht ganze 34 Jahre zurück und so spielte man einen interessanten Mix aus alten und neueren Songs und natürlich inklusive des großen Hits „Is Vic There“. Department S werden leider viel zu oft als One-Hit-Wonder gebrandmarkt, dabei haben sie viele Songs, die ebenfalls großes Potential besitzen. Und genau das unterstrichen sie in Gent eindrucksvoll.
Setlist: Eine Band auf die wir uns besonders gefreut haben sind The Cassandra Complex, die in den vergangenen Jahren leider viel zu selten aufgetreten sind. Und als wüsste Frontmann Rodney Orpheus auch selbst nicht mehr wie es aussieht, wenn man auf der Bühne steht, macht er erst einmal ein Foto des Publikums. Und nachdem ein paar Gitarrenprobleme behoben wurden, ging es mit „What Can I Do For You?“ los. Leider musste das Set wegen der technischen Probleme gekürzt werden und so blieb uns der Hit „Moscow Idaho“ leider verwehrt. Dafür fanden Tracks wie „Voices“, „Second Shot“, „Satisfy me“ oder das Suicide Cover „Franky Teardrop“ den Weg ins Programm und sorgten ebenso wie Rodneys Entertainerqualitäten für beste Unterhaltung. Insbesondere die Art der Performance bei „Franky Tearsdrop“ war dabei geradezu atemberaubend und der knapp 45 minütige Auftritt viel zu kurz. Zum Glück dürfen wir uns aber schon auf weitere Auftritte und dann voraussichtlich mit weiteren Klassikern von The Cassandra Complex freuen, wie uns Rodney später in einem Interview [LINK] mitteilte. Neben Mastermind Rodney gehörten übrigens Volker Zacharias und Axel Ermes von Girls Under Glass zum Line-up der Band und wir hatten somit Talent pur auf der Bühne.
Setlist: Es ist der zweite Festivalauftritt in Belgien der Band um Sänger Michael Sele. Der erste war beim Shadowplay Fest 2011 in Kortrijk und dort hatte man viele Leute sehr beeindruckt. Und so waren die Zuschauer dieses Mal umso gespannter auf die Schweizer, deren Songs, wie der Frontmann uns erzählte, nicht mehr im Schweizer Radio gespielt werden dürfen, da sie angeblich gesundheitsgefährdend wären, wobei man dies auf die düstere Stimme des Sängers abstellte. Doch natürlich konnte dies den Erfolgsweg der Band nicht stoppen und sorgte vielleicht sogar für noch zusätzliche PR. Jedenfalls sind sie seither des Öfteren in den Charts vertreten und auch heute sollte ihre Erfolgsstory weitergehen. Ihr Auftritt im Vooruit war beschwörend und das Publikum durchweg begeistert. Gerade Songs wie „Hunters“, „Rumours“ oder der Nummer eins Hit „Suicide Landscape“ sorgten für Aufsehen und ein Publikum, das durchweg mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurückgelassen wurde.
Setlist: Der Beginn des Chameleons Vox Auftritts verläuft geradezu typisch, denn Sänger Mark Burgess betritt die Bühne mit Zigarette und einem Drink. Hier werden keinerlei Effekte benötigt um zu überzeugen, eine Videoleinwand ist ebenso unnötig, wie aufwendige Lichteffekte. Hier zählt noch das musikalische Handwerk, welches sie mit einer bemerkenswerten Lässigkeit rüberbringen. Zwischen den Songs gibt es nur ganz kurze Unterbrechungen und so entsteht ein fesselnder Auftritt, der sich schon fast wie eine wahrhaftige Auferstehung der „echten“ Chameleons anfühlt, zumal Chameleons Vox in letzter Zeit auch verstärkt auftreten. Neben dem starken Eröffnungssong „Swamp Thing“ bekommen wir bei „Singing Rule Brittania“ noch eine kurze Joy Division Einlage aus „Transmission“ zu hören, bevor das wundervolle „Second Skin“ für den umjubelten Abschluss sorgt.
Setlist:
Setlist: PROJECT PITCHFORK
Setlist:
Der zweite Rewind-Easter-Fest Tag begann mit einem Newcomer: The Juggernauts traten heute zum ersten Mal überhaupt auf und haben bisher auch noch kein Album veröffentlicht. The Juggernauts sind Glenn Keteleer und Borg, wobei Glenn uns danach sogar noch als Radical G weiter unterhalten sollte. Jetzt ging es aber erst einmal mit stampfenden Beats und schwarzen Helmen auf der Bühne los und mit Songs wie „The Juggernauts Are Coming“ oder „Infected“ beeindruckte man die anwesenden Zuschauer gleich mal ordentlich. Man merkte sofort, dass es sich hier zwar in dieser Konstellation um Newcomer handelt, ansonsten aber keineswegs. Und wenn man bedenkt, dass Borg früher bei Vomito Negro war und Glenn als Produzent und DJ tätig ist und auch bereits einige Remixe für The Neon Judgement abgeliefert hat, dann kann man bereits erahnen, dass sich die Songs deutlich routinierter anhören, als es das Bandalter hergibt. Der Auftritt war ein perfekter Einstieg in den zweiten Tag, der weitaus elektronischer ausgerichtet war als Tag 1. Und auch die Band selbst war offensichtlich mit dem Ausgang der ersten Performance zufrieden und äußerte sich später so: “The Juggernauts want to thank EVERYONE that made this first gig possible! Especially those who did made the effort to be there on time (16h30 is not the ideal stage time :)) and thus gave us a nice enthusiastic crowd to play for! RESPECT and thanks for your support!” Wie schon gesagt hätte Juggernaut Glenn auch eigentlich gleich auf der Bühne bleiben können, denn der DJ/Produzent ist gleichfalls als Radical G unterwegs und heute beim Rewind-Easter-Fest dabei. Und wer nun eine Show mit viel Bewegung auf der Bühne erwartete, sah sich zumindest zum Teil getäuscht, denn Glenn legte, schwarz-weiß maskiert, eine tolle Show ab, bei der er zwar eigentlich nur mit Teufelsohren auf der Bühne stand, aber eine unglaubliche Energie erzeugte. Stillstehen und nicht tanzen war quasi unmöglich, hier musste man sich einfach bewegen. Vor allem der Song „Lucifer“ hatte einen besonderen Einfluss auf das Publikum, wir waren absolut begeistert und tanzwütig. „Let your body speak, let your body talk” war das deutlich zu vernehmende Motto. Und auch Glenn selbst kannte keine Ruhepausen. Erst der Auftritt mit The Juggernauts, dann als Radical G., Platten produziert er wie am Fließband und hat erst kürzlich einen Remix zu Sigue Sigue Sputniks Hit „Love Missile F1-11” fertig gestellt, den man sich auf Soundcloud anhören kann: http://soundcloud.com/radicalg/sique-sique-sputnik-love
Setlist: Und eben diese gerade angesprochenen Sigue Sigue Sputnik waren als nächstes an der Reihe. Knapp 20 Jahre haben wir darauf gewartet diese Band einmal live zu erleben. Denn wer kennt sie nicht, die Hits der Band aus ihren Anfangstagen, allen voran natürlich „Love Missile F1-11“ mit seinem verbotenen Video und in vielen Ländern als musikalische Anleitung zur Benutzung einer Waffe verpönt. Und das Feuer brennt noch immer! Ein „gut“ angezogener Tony James zeigte uns 45 Minuten lang auf High Heels, wie man eine Show richtig performt. Unterstützt von einer zweiten Gesangsspur gab Tony stimmlich alles und auch wenn die Musik nicht ganz so straight war, wie wir es gerne hätten, hatte das Ganze einen ungeheuren Unterhaltungswert. Zum Programm gehörten einige Hits, aber auch eine nicht sehr gelungene Version von David Bowies Hit „The Jean Genie“, doch das tat dem Spaß keinen Abbruch und nach „Jayne Mansfield“ war alles in Butter als „Love Missile F1-11“ durch den Raum schallte. Offensichtlich waren wir nicht die einzigen, die genau auf diesen Song gewartet hatten. Es war eine wirklich unterhaltsame Show die eigentlich nur eine Frage offen ließ: „Wie schafft Tony es, so lang auf High Heels solch eine Show abziehen?“.
Setlist: Weiter geht’s mit Absolute Body Control, den belgischen Lokalmatadoren um Frontmann Dirk Ivens. Dieser steht mit seinen verschiedenen Projekten (The Klinik , Dive, Sonar und Absolute Body Control) für abwechslungsreiche Musik und ist trotz seiner Erfolge auf dem Boden geblieben und immer wieder hautnah im Dunstkreis seiner Fans zu finden. So wie auch heute später wieder, wo sich Dirk gemeinsam mit ABC-Partner Eric van Wonterghem unters Volk mischte. Aber kommen wir zurück zur Show die wie üblich begann: Kurzer Soundcheck, Prüfung der Computer und auf geht’s. Wir haben heute schon einige elektronische Bands gesehen, aber diese hier ist die erste historische EBM-Band. Und ihre Historie ist beeindruckend. Angefangen mit „I Wasn’t There“ folgte ein bekannter Hit nach dem anderen, bevor es mit „So Obvious“ endete, was aber für die Fans gar nicht mal so offensichtlich war und so riefen und schrien sie die beiden Akteure für ein paar Zugaben zurück auf die Bühne. Zwei weitere Songs spendierten Dirk und Eric den Fans, darunter eine tolle Coverversion des The Normal Songs „Warm Leatherette“, der es tatsächlich gelang, nah an die Qualität des Originals heran zu kommen und dieses sogar zu übertreffen. Diesen Beats kann man einfach nicht wiederstehen und jeder der tatsächlich Kunstleder am Körper trug, schwitzte mittlerweile ganz sicher.
Setlist: Minimal Wave aus den Achtziger Jahren war nun an der Reihe, oder besser gesagt aus den Jahren 1979 und 1980. Und wie Minimal kann man eigentlich sein? Musikalisch machen sie vielleicht Minimal Wave, aber live ist das sicher nicht minimal, was sie da abliefern. Hier wurde Musik mit künstlerischer Darbietung vermischt. Malory Yago spielte Minimal Drums und stand auch für artistische Einlagen, denen man ihre Ballettausbildung deutlich ansah. Mit schwingenden Neonbällen, die an einer Kordel befestigt waren, wurde die Bühne erhellt, das eigentliche Bühnenlicht blieb ausgeschaltet. Ein absoluter Wow-Effet der uns da geboten wurde. Michael Zodoroznys Aufgabe bei dem Ganzen war vor allem das Singen und, wenn Malory sang, übernahm er die Keyboardparts. Dritter im Bunde war Dale Feliciello, der durchweg Keyboard spielte und sich direkt vor einer großen Leinwand postiert hatte. Aber woher kennen wir sie bloß? Vielleicht ja von den Songs „Flying Turns“ oder „Factory Forehead“. Ich jedenfalls mag Minimal Wave und das insbesondere, wenn es so geschickt mit einer tollen Performance verbunden ist. Nicht ein einziger Fehler unterläuft Malory bei ihren schwierigen Figuren im Dunklen und das passte wunderbar zu den solide vorgetragenen Musikstücken.
Setlist:
Setlist: Jedes Mal wenn Covenant irgendwo auftreten, zaubern sie ein großes Lächeln in unser Gesicht … aber nicht dieses Mal! Warum? Bei diesem Festival hatten alle Bands über die vollen zwei Tage hinweg einen guten Sound, aber leider war das bei Covenant ganz anders! Eskils Stimme schaffte es einfach den gesamten Auftritt hindurch nicht, sich gegen die überlaute Musik durchzusetzten. Das war umso tragischer, weil die Performance ansonsten sehr gut und auch die Setlist gut gewählt war. Sogar einen neuen Track hatte die Band dabei: „The Passion Game“ gab einen ersten Ausblick auf das kommende Album und wurde sehr wohlwollend angenommen. Insofern war zumindest diese Premiere geglückt und das große Finale mit „We Stand Alone“ hätte etwas ganz besonderes werden können, aber dem stand wieder der Sound entgegen. Schade.
Setlist:
Es war ein großartiger Abschluss für dieses erste Rewind-Easter-Fest, das durchweg freudige, aber auch müde Fans zurückließ. Der neue Tag hatte jetzt, um 3 Uhr in der Früh, bereits begonnen und viele krochen zurück in ihr Hotel, während wir uns auf die knapp zweistündige Heimfahrt machten.
Setlist: Eine etwas größere Auswahl Fotos erhaltet ihr durch Anklicken der Fotos hier im Bericht.
Review: Monique Rijksen
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