| Nocturnal Culture Night (NCN) 2011 - Deutzen, Kulturpark (02.-04.09.2011) |
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Was haben wir in diesem Festivalsommer nicht alles mitmachen müssen?! Von starken Regengüssen über Sturm bis hin zu frühzeitig abgebrochenen Einzelauftritten – das Festivalvolk der dunklen Szene zeigte sich stets verständnisvoll und trotzdem gut gelaunt.
Dass der Sommer Anfang September noch einmal Einkehr bei uns hält, konnte ja niemand ahnen. Aber genau so war es am ersten Septemberwochenende auf der mittlerweile 6. Nocturnal Culture Night in Deutzen. Neben bombigen 27- 30 °C warteten allerdings auch einige Szene- Größen wie Absolute Body Control, DAF, Fixmer/McCarthy oder Kirlian Camera auf uns.
Natürlich lockten auch Insider- Bands wie Sensory Gate, die bereits im letzten Jahr in Deutzen eine super Show ablieferten, oder Shiv-R Fans aus der ganzen Republik und ihren Nachbarländern in die idyllische Location in Sachsen. Der Kulturpark bot neben viel Grün drei Bühnen, auf denen die verschiedenen Konzerte und Lesungen stattfanden, sowie einen kleinen, aber feinen Mittelaltermarkt, der mit den Spielleuten Ignis Fatuus, Feuershows und weiteren kleinen Schmankerln lockte.
Am späten Freitagnachmittag ging es dann auf der kleinen Bühne auch direkt los mit Den.C.T.Bug, einem elektronischen Duo, das im Dezember 2002 ins Leben gerufen wurde. Anders als im vergangenen Jahr hatten sich auch bereits eine Menge Fans vor der Bühne eingefunden und feierten mit Frontmann Kim Hoffmann den Beginn des Festivals. Soundtechnisch wurden einige Anleihen bei bekannten Bands wie VNV Nation oder Suicide Commando getätigt und stimmlich fühlte man sich von Sänger und Entertainer Kim wie vor einen Verwandten von Till Lindemann versetzt. Es kam einem schon alles sehr bekannt vor, auch wenn mir Den.C.T.Bug bis dato kein Begriff war. Dennoch sorgten Songs wie „Elektrostadt“, „Nachtzug“ oder „Kreuzzug“ von ihrer neuen EP für die nötige Stimmung. Ein solider Start!
Auf der großen Bühne folgten direkt die Golden Apes aus Berlin, die mit düster- melancholischer Poesie auffuhren. Die von Peer Lebrecht (Gesang und Keyboard), Eric Bahrs (Gitarre) und Christian Lebrecht (Bass) 1998 gegründete Formation ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr auf dem NCN, bescherten sie doch bereits 2007 in Deutzen ihren Fans einen gelungenen Auftritt. Dieser Tage kamen sie mit Songs wie „Leaving Ground“ oder „Digging Towers“ daher und machten mit ihrem eigenen Stil, der sich an Größen wie Joy Division und The Sisters Of Mercy orientiert, ein jedes Fanherz glücklich.
Setlist Als nächstes erwartete uns ein Act, der uns mit auf eine Reise durch Post- Punk, Wave und Minimalelektro nehmen sollte. Mit ihrem Kracher „Suicide Commando“ wurden No More nicht nur bekannt, sondern lieferten Johan Van Roy auch die Idee für sein erfolgreiches Elektro- Projekt. Obwohl Andy Schwarz und Tina Sanudakura, die No More bereits 1979 in Kiel gegründet hatten, mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen sind, hatten sie jedoch die Gabe, ein ganzes Publikum zu faszinieren noch so gut parat, dass bereits bei den ersten Takten die Fans anfingen, mit den Köpfen und Beinen zu wippen. Ob „Midnight People & Lo-Life Stars“, „French Kisses“ oder der besagte Klassiker „Suicide Commando“ – die Menge war gebannt von Andy, der immer mal wieder das Saiteninstrument wechselte, und Tina, die ihre Hände nicht nur gekonnt über den Synthesizer, sondern auch über das Theremin bewegte. No More lieferten einen gelungenen Auftritt ab und waren für mich das erste kleine Highlight auf dem NCN 2011.
Setlist Deutlich rockiger ging es nun auf der großen Bühne mit Gothminister weiter. Auch wenn mir die ganze Show auf dem klischeehaft verhangenen Tritt, auf dem sich Frontmann Björn Alexander Brem immer wieder positionierte, etwas albern erschien, waren seine Fans doch von seiner Energie und Dynamik begeistert. Dynamisch ging es dort auf der Bühne tatsächlich zu, denn der geschminkte Gothe, der sich im wahren Leben als Anwalt berufen fühlt, war tatsächlich alles andere als untätig. Mal posierte er gekonnt am Bühnenrand, mal lehnte er sich weit in die Fanmenge oder stolzierte über die Bühne. Neben älteren Song wie „Devil“ oder „Dusk Till Dawn“ präsentierte die Gothic- Metal- Formation aus Norwegen jedoch auch einige Stücke ihres neuesten Machwerks „Anima Inferna“ und heizten ihren Fans kraftvoll ein.
Setlist Whispers In The Shadow standen nun für uns auf der kleinen Bühne bereit. Der optische und akustische Mix aus Fields Of The Nephelim und The Cure sorgte bei einigen Besuchern für großes Interesse und so wurde es nun bereits etwas kuscheliger in den vorderen Reihen. Das anfängliche Soloprojekt von Ashley Dayour, welches er 1996 ins Leben gerufen hatte, entwickelte sich im Laufe der Jahre schnell zu einer vielseitigen Band, die nun auf einen ganz individuellen Stil zurückgreift.
Während Songs wie „The Arrival“ oder „Blood, Sweat And Tears“ voller Hingabe intoniert wurden, sorgten reichliche Portionen Bühnennebel für die nötige Atmosphäre. Die 4 Jungs aus Österreich lieferten dem NCN Publikum eine in sich stimmige und angenehme Show.
Setlist Wurden wir doch gerade noch mit wavigen Sounds umschmeichelt, so wurde das Blatt durch den anstehenden Act auf der großen Bühne doch schnell gewendet. Hart, klar und direkt sind die Botschaften, die von Tyske Ludder in ein krachendes EBM- Gewand gehüllt werden. Wer die Jungs je live erlebt hat, der weiß, dass hier kein Blatt vor den Mund genommen wird. Mit einer israelischen Flagge bewaffnet und von zwei die Bühne zierenden aufblasbaren Bomben umgeben stürmte Claus bei „Tempelberg“ auch direkt wie ein Wilder über die Bühne und führte die Menge in einen gnadenlosen Auftritt ein. Hier bekam wirklich jeder sein Fett weg und die Songs liefen nur so über vor Sozialkritik und mahnenden Aufforderungen. Dem Publikum gefiel das Treiben und aus tiefstem Leibe wurden Songs wie „Bastard“ oder „Panzer“ mitgegröhlt.
Auch wenn mir persönlich das Gehabe der selbsternannten „Deutschen Hure“ teilweise etwas too much erschien, so waren die vielen angereisten Fans doch zufrieden, nicht nur die großen, sondern auch die ganz kleinen.
Zu bedauern ist nur – aber dafür kann die Band ja nichts -, dass Eltern, die ihre Kinder bei einer Band diesen Kalibers, wo der ein oder andere laute Ton schon mal ein Offensivangriff auf das Trommelfell ist, in die erste Reihe verfrachten, nicht einmal auf die Idee kommen, es mit vernünftigen Ohrschützern auszustatten. Liebe Grufti- Eltern, bei so viel Sozialkritik, die ihr euch bei Tyske Ludder einverleibt, denkt bitte auch an euer eigen Fleisch und Blut. Vielleicht mag der ein oder andere kleine Fan auch in 10 Jahren gerne noch Musik der Band hören können.
Setlist Nicht weniger elektronisch ging es direkt im Anschluss mit [:SITD:] weiter. Die aus dem Ruhrgebiet stammende Formation bewies in der Vergangenheit nicht nur ein Händchen, wenn es darum ging, eigene Songs zu Club- Hymnen zu erwecken, sondern auch im Remix- Bereich hatte das Trio bisher stets den richtigen Riecher. Und auch an jenem Abend schallte ein Kracher nach dem anderen von der Bühne, ob es nun „Rose- Coloured Skies“, „Richtfest“ oder „Snuff Machinery“ war. Nach vorne war schon lange kein Durchkommen mehr und die kleine Bühne erwies sich als eindeutig zu klein für einen Act mit einer solch enormen Anhängerschaft. Dennoch kam man auch in den hinteren Reihe tanzend und mitsingend auf seine Kosten. Alles in Allem lieferten [:SITD:] eine super Show mit einer Stimmung, die besser nicht hätte sein können, ab. Setlist Kirlian Camera ![]() ![]() Nun war es endlich Zeit für den Headliner auf der großen Bühne: Kirlian Camera. Keinem zweiten Musikprojekt gelingt es, Experimentierfreudigkeit und Clubtauglichkeit so gut zu kombinieren wie der italienischen Formation um die gutaussehende Frontfrau Elena Alice Fossi. Seit der Gründung des spannenden Projekts durch Angelo Bergamini im Jahre 1980 wurden zwar einige Änderungen in der Besetzung vorgenommen, aber egal in welcher Schaffensphase man sich auch befand, der Sound war stets unverwechselbar, inspirierend und mitreißend.
Mit Sturmmasken trat die Band an jenem Abend überraschenderweise zu fünft in die Dunkelheit. Begleitet wurden sie vom atmosphärischen Intro „Black Tiger Rising“, welches in „Winged Child Sitting on a Bench Watching Obscure Clouds Get Closer While People are Looking for a Shelter” überleitete. Schon mit dem ersten Ton verzauberte die Lack- und Leder- Liebhaberin Elena die Fans und für einen knackigen Sound sorgten heute unter anderem auch ein Bassist und ein Gitarrist. Neben den Klassikern „Eclipse“ und „Heldenplatz“ sorgten auch neuere Stücke wie das atmosphärische „Odyssey Europa“ oder die aktuelle Single „Nightglory“, welches als Zugabe sogar noch ein zweites Mal dargeboten wurde, für eine berauschende Stimmung. Besonders bewegend intonierte Elena auch den Ultravox Kracher „Hymn“ und sorgte für eine extradicke Gänsehaut beim begeisterten Publikum.
Kirlian Camera haben genau das geleistet, was ich mir von einem Headliner wünsche: Power, Gefühl und das gewisse Etwas, das den Körper immer wieder mit wohligem Kribbeln erfüllt. Ein wirklich wundervoller Auftritt und ein schöner Abschluss des ersten Festivaltages auf der großen Bühne!
Setlist So ganz vorbei war der erste Tag dann aber doch noch nicht, auch wenn ich bereits glücklich und zufrieden war. Auf der kleinen Bühne erwarteten die Fans spät in der Nacht und - aufgrund des etwas ausgeweiteten Kirlian- Camera- Auftritts - sogar noch etwas später die Schweden von Ordo Rosarius Equilibrio. Apocalyptic Pop, mal mit atmosphärischer, mal mit eher verstörender Klangkunst untermalt, ist das, was die Band um Gründer Tomas Petterson praktiziert.
Bei stimmungsvollem Licht lässt sich die Menge von Songs wie „Do Angels Never Cry And Heaven Never Fall“ oder „Hell Is Where The Heart Is“ beflügeln und auch wenn die Dynamik auf der Bühne mitunter sehr zu wünschen übrig ließ, riss die kraftvolle Stimme von Frontmann Tomas sicher so manches Besucherherz in seinen Bann. Mit den letzten Tönen von „A Song 4 Hate & Devotion“ entließen Ordo Rosarius Equilibrio die Besucher in die dunkle Nacht.
Setlist Während einige sich noch bei der Aftershowparty verausgabten, suchten andere ihre Zelte auf oder fuhren ins Hotel oder – wie wir – nach Hause, um für den folgenden, etwas längeren Festivaltag fit und ausgeruht zu sein, wo uns u.a. Atrocity, Absolute Body Control, Psyche, Klangstabil und Sensory Gate erwarten sollten. Bilder des ersten Tages gibt es HIER in unserer Konzertgalerie: NCN Festival 2011 Tag 1 Samstag 03.09.2011
Nach einem erfolgreichen ersten Tag konnte der Festivalsamstag gut gelaunt begrüßt werden. Auch das Wetter war uns wieder gut gesonnen, konnte man in Deutzen doch bereits am frühen Mittag bei rund 28°C in der Sonne brutzeln.
Musikalisch wurde der zweite Tag von den Hamburgern [soon] auf der kleinen Bühne eröffnet. Die 2003 gegründete Formation durfte in den vergangenen Jahren auf zahlreichen Konzerten als Supportact auftreten, z.B. bei Saltatio Mortis, Lacrimas Profundere, Das Ich, und ist einigen Besuchern sicherlich gut im Gedächtnis geblieben. Mit einer melodischen Mischung aus Rock und Metal fuhren die drei Jungs auf und nun wurde sicher auch der letzte noch ruhende Besucher aus dem Zelt gelockt. Auf der großen Bühne ging es direkt im Anschluss ebenso mit einer Hamburger Band weiter, jedoch diesmal wesentlich elektronischer. Das Spoken- Word Musikprojekt Oberer Totpunkt setzte dem Samstagmittag das gewisse Etwas auf und zog so manchen Fan in seinen Bann. Im Anschluss sollten wir eigentlich auf der kleinen Bühne das Electropop- Projekt Obscenity Trial begrüßen dürfen. Leider mussten Obscenity Trial ihren Auftritt auf dem diesjährigen NCN kurzfristig absagen, so dass sie uns an diesem Tag verwehrt bleiben sollten.
Das war natürlich sehr schade, aber dennoch gab es keine allzu langen Gesichter, denn auf der großen, mittlerweile vom Sonnenlicht nur so gefluteten, großen Bühne erwarteten uns schon bald die Electropop- Combo F.O.D. Nachdem die 2000 gegründete Band zunächst lange Zeit als Trio unterwegs war, holten sie sich etwas später Ex- Blutengelchen Eva Pölzing an Bord, um die Songs mit einer Portion glockenhellem Stimmchen aufzupeppen. Wo man zuerst noch fast ausschließlich nach And One klang, den guten Steve und seine Crew sogar als Supportact auf Tour begleitete, brachte die Umstrukturierung etwas frischen Wind in die Sache, so dass sich das Ganze nun sogar schon mal ab und zu nach Blutengel anhört. Und tatsächlich ist das, was die vielen Fans und Besucher, die sich vor der Sonne in den Schatten flüchteten und daher vorrangig die äußeren Ränder vor der Bühne einnahmen, nicht wirklich musikalisch revolutionär. Dennoch klingt das Gehörte nicht schlecht und Frontmann eXcess- D und Eva harmonieren gut auf der Bühne. Ein gemeinsames „Angels“ kommt ebenso gut an wie ein Cover von Blutengels „Seelenschmerz“, bei welchem Eva alleine die Bühne schmückte und die Menge unterhielt. Die meisten fühlten sich wohl bei so viel bekannter Klangkulisse und tanzten sich trotz der Hitze schon mal ordentlich ein.
Setlist
Mit geschmeidigem Synthiepop ging es nun auf der kleinen Bühne weiter mit X- Divide. Das Duo, bestehend aus Jens ( Management, Live Keys, second Vocals) und Eric (Vocals), wurde 2005 gegründet und stellte sich nach und nach immer mehr als super Insidertipp heraus. Sowohl Eric als auch Jens sind schon lange keine Anfänger mehr auf ihrem Gebiet, hatten doch beide schon vor der Gründung der Band unabhängig voneinander Bühnenluft geschnuppert. Und genau diese Erfahrung merkt man den beiden auch an, wenn man sie auf der Bühne performen sieht. Vom Anfang bis zum Ende saß wirklich jeder Ton und alles war aufeinander abgestimmt. Und nicht nur das war entscheidend, denn das, was da von der Bühne schallte, machte der Band auch sichtlich Spaß. Leider hatte das Publikum ein kleines Mittagstief, so dass Eric die Menge immer mal wieder etwas anfeuern musste. Nachdem sich aber doch bereits einige Fans bei Songs wie „Sympathy“ oder „So In Love“ warm getanzt hatten, gab es für viele bei einem ausgedehnten, abschließenden Namnambulu- Medley keine stillen Beine mehr. Ein schöner Auftritt, der in meinen Augen an diesem Tag ein bisschen zu wenig Beachtung erhielt.
Setlist
Als nächstes sollte mit Shiv- R eine absolute Deutschland- Premiere aufgefahren werden. Als Geheimtipp des NCN- Veranstalters deklariert, erwartete uns nun eine Band, die mir völlig unbekannt war. Die aus Australien stammende Formation besteht seit 2008, hat seither mit ihrer ersten Veröffentlichung ordentlich gepunktet bei den dortigen Musikfreunden und wird nun auf Europa losgelassen. Dass es einige sehr gespannte NCN- Besucher gab, die der düsteren Elektroband entgegenfieberten, wurde an den nahezu voll besetzten Bänken vor der großen Bühne deutlich. Und tatsächlich war der deutschlandweit erste Auftritt der Combo ein voller Erfolg: treibende Beats, die zeitweise etwas an Combichrist oder Hocico erinnerten, gepaart mit einem energischen und dynamischen Frontmann und einer adrett gekleideten Lady, die ihrerseits musikalisch und optisch dem Ganzen beisteuerte. Musikalisch wurde auf die ersten Veröffentlichungen zurückgegriffen und mit „Pharmaceutical Grade“ sogar ein brandneuer Song präsentiert. Dem Publikum gefiel, was von der Bühne an die Ohren und in die Beine drang. Ein gelungener Start für die Band in unseren Gefilden!
Setlist Elane
Fernab von harten, treibenden Elektrobeats formierte sich vor 10 Jahren eine Band namens Elane, auf welche sich bereits einige Fans an der kleinen Bühne freuten. Mit einer Vielzahl verschiedener Instrumente, mal leisen und bewegenden, mal lauten und bombastischen Tönen schaffen es die 5 Sauerländer eine gelungene Mischung aus Zauberei und Energie in ihren Songs zu vereinen. In Kombination mit der elfenhaften Stimme von Frontfrau Joran schafften Elane es in den vergangenen Jahren, sich einen festen Platz im Genre zu erkämpfen und dürfen sich seither an einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreuen. Und als die Band an jenem Samstag gut gelaunt auf die Bühne trat und das mitreißende „Deae Noctis“ in die Menge schallte, schien auch alles wie perfekt. Jedoch wurde diese Stimmung schnell getrübt, denn bereits beim zweiten Song versagte die gesamte Elektronik. Stromausfall! Zunächst war noch nicht ganz klar, wie weit sich diese Problematik erstrecken würde. Da sich die Reparaturarbeiten in die Länge zogen und die Band ihren Auftritt nur so dahin gehen sah, bot sie den Fans noch einen kleinen akustischen Geschmack ihrer Songs. Da natürlich weder Mikros noch Verstärker funktionierten, musste man ganz genau hinhören, um überhaupt etwas von dem mitzubekommen, was die Band dort präsentierte. Nach einem kurzen Song und ein paar Unklarheiten über weitere Stücke, die dem Publikum hätten dargeboten werden können, verließen Elane die Bühne und sprachen persönlich mit ihren Fans. Der Auftritt war beendet.
Nun konnte es auf der großen Bühne endlich mit einem richtigen Urgestein der Szene - Psyche - weitergehen. Seit beinahe 30 Jahren ist das ursprünglich von Darrin Huss und seinem Bruder Stephen Huss gegründete EBM-/Synthpop- Projekt immer wieder verantwortlich für den einen oder anderen musikalischen Kracher gewesen. Und auch wenn es einige Umstrukturierungen in der Band gab und Darrin mittlerweile ohne seinen erkrankten Bruder, aber dafür mit einigen begabten Live- Keyboardern auf der Bühne steht, ist und bleibt Psyche nach wie vor unverwechselbar gut. Die Besucher strömten aus allen Ecken des heimeligen Kulturparks und versammelten sich dicht vor der Bühne. Wie eine Erlösung wirkte dann der erste Song „Uncivilized“, den ein energiereicher Darrin Huss seinen Fans darbot. Und bereits ab der ersten Sekunde hatte er die Menge gepackt und es ließ einen bis zum Schluss einfach nicht mehr los. Kracher wie „Sanctuary“, „Unveiling The Secret” oder das Joy Division Cover „Disorder“ schlugen ein wie eine Bombe und die Menge feierte, was das Zeug hielt. Die Stimmung war wirklich sagenhaft und das Warten hatte sich allemal gelohnt!
Setlist
Da wir in unserem Zeitplan durch das Stromproblem nun etwas zurück hingen, gab es nun die erste Überschneidung. Denn noch als Psyche den Fans vor der großen Bühne einheizten, starteten auf der kleinen Bühne Sensory Gate mit ihrem Auftritt. Die 2004 gegründete Band – bestehend aus Andrea Pozzi und Max Iannuzzelli - weiß wie keine andere, verschiedene Stilrichtungen der Szenemusik zu kombinieren und sie in eine individuelle, mitreißende und beeindruckende Form zu bringen. Auf Sensory Gate hatten wir uns ganz besonders gefreut, überzeugte uns das italienisch- deutsche Musikprojekt nicht nur mit ihrem starken Debutalbum „Ianus“, sondern lieferten sie auf dem vergangenen NCN auch einen solch beeindruckenden Auftritt ab, dass sie kurzerhand von den Fans zur besten Newcomer- Band des NCN 2010 gewählt wurden. Verdienterweise sollte ihr Auftritt aus diesem Grund beim diesjährigen NCN auch wesentlich später in der Running Order stattfinden. Wie im vergangenen Jahr sind die beiden Soundtüftler mit ein paar großen Dominosteinen im Gepäck, die nun die Bühne zierten, angereist. Zudem stach einem sofort ein übergroßer Brief ins Auge: „Civilization. Sensory Gate. Dead end road. Nowhere.“. Nach einem atmosphärischen Intro führte uns ein stimmstarker Max auch direkt an ein neues Stück namens „Domino Effect“ heran. Emotional ergriffen lebte er jeden Ton, den er da ins Mikro transportierte, und es machte große Freude, dem Treiben auf der Bühne zuzusehen. Neben weiteren neuen Song wie „Civisolation“ oder „City Diary“, welche uns einen tollen Vorgeschmack auf das neue Album, das derzeit in Planung ist, gaben, drangen auch einige Kracher vom Ianus- Album wie „Laying hopes“ oder „Hallowed“ an unser Ohr. Sensory Gate lieferten an jenem Samstag eine geniale Show ab! Nach einem solchen Leckerbissen haben wir nun richtig Appetit auf das neue Album bekommen und sind sehr gespannt.
Setlist
Auf der großen Bühne sollte es nun ebenso stimmungsvoll mit den Merciful Nuns weitergehen. Drei Jahre nachdem Artaud Seth sein erfolgreiches Projekt Garden Of Delight ad acta gelegt hatte, schöpfte er nochmal aus dem Vollen und zauberte eine Combo herbei, die sich tief im Gothic- Rock verankert fühlt. Obwohl es natürlich noch immer hell draußen war, wurde bereits beim Intro durch Nebel und zwei Bildschirme, auf denen - passend zu den Klängen - Videos zu sehen waren, eine düstere Atmosphäre geschaffen. Mit „The Portal“ wurden schwere, dunkle Klänge ins Publikum befördert und mit dem strahlenden Sonnenschein lieferte sich der Song ein regelrechtes Kontrastspiel. Artaud, der in schwarzer Lederkutte und Sonnenbrille auf der Bühne stand, wusste es, zu jedem Moment und jeder düsteren Emotion den perfekten Ausdruck zu finden. Mal glitt er regelrecht über die Bühne, mal bewegte er sich energisch und seinen Fans reichte der charismatische Frontmann bei „Hypogeum“ sogar die Hand. Das Trio – bestehend aus Artaud Seth (Gesang), Jawa (Bass) und Jón (Gitarre) lieferten einen tollen Auftritt ab, die so manchen Besucher sicherlich gedanklich zurück in die 80er beförderte.
Setlist
Noch bevor die Merciful Nuns ihr Set beendet hatten, war es vor der kleinen Bühne schon mächtig voll geworden. Gespannt wartete die Menge auf das Duo Klangstabil, das zwar schon 1994 gegründet wurde, jedoch erst in den vergangenen Jahren zum richtigen Insidertipp in der Szene herangewachsen ist. Das musikalische Spektrum von Klangstabil ist von Beginn an nahezu unerschöpflich: von eingängige Electro- Pop- Nummern bis hin zu experimentellen Klangkulissen, die auf ein Minimum an Vocals zurückgreifen, ist in ihrem musikalischen Repertoire nahezu alles vertreten. Was jedoch alle Songs eint, ist der Blick in die Tiefe, teilweise sogar in die Abgründe des menschlichen Daseins. Und wer Boris May und Maurizio Blanco bereits live erlebt hat, der weiß, dass genau dieser Tiefgang von den beiden auf der Bühne so exzellent ausgelebt wird wie von niemand anderem. Mit „Shadowboy“ eröffneten die beiden ihr Set; im Hintergrund zeigte ein Bildschirm verschiedene Menschen, die dieses Wort einfach nur nachsprachen, was etwas verwirrend und bedrängend wirkte, aber eben auf die typische Klangstabil- Art. Und nun folgte wirklich ein Kracher dem anderen und das Publikum war nicht mehr zu halten, als Boris sich bei Songs wie „Math & Emotion“, „Twisted Words“ oder „You May Start“ gestisch und mimisch verausgabte. Es war wirklich wieder ein Erlebnis, die beiden auf der Bühne performen zu sehen. Klangstabil lieferten – wie gewohnt – eine tolle Show ab, der auch eine zwischenzeitige kleine Technikpanne bei „Love Has Too Much Audience“ keinen Abbruch tat.
Setlist
Auf der großen Bühne wartete nun wieder ein absolutes Urgestein in Sachen elektronischer Musik auf das NCN- Publikum. Alles, was der Belgier Dirk Ivens bisher im musikalischen Bereich angepackt hat, erstrahlte zu Klanggold, sei es nun sein Projekt Klinik, Dive oder Insekt. Aber auch Absolute Body Control, das er zusammen mit Eric Van Wonterghem vor mehr als 30 Jahren gründete, zog Erfolge nach sich und wirkte stilprägend für die Electro Body Music. Vor der Bühne hatten sich viele Fans von ABC eingefunden und gespannt vernahmen wir die ersten Töne von „Melting Away“ und dort ging es mit einem gut gelaunten und dynamischen Dirk auch direkt zur Sache. Die begeisterte Menge tat ihm bedingungslos nach und zappelte und tanzte, was das Zeug hielt. Absolute Body Control präsentierten einen bezeichnenden Rundumschlag ihrer verschiedenen Schaffensjahre, angefangen bei „Is There An Exit“, über „Figures“ bis hin zu „Surrender No Resistance“. Und immer wieder spürte man diese Hingabe zu den Beats und man hatte wirklich Freude an der Sache - sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Ein absolut gelungener Auftritt!
Setlist
Weiter ging es auf der kleinen Bühne mit 32 Crash; es blieb also elektronisch. Hinter dem Trio, das dem Publikum bereits beim NCN 2009 einen gelungenen Auftritt bescherte, verbirgt sich niemand anderes als Jean- Luc De Meyer. Hatte er doch schon mit Front 242 Pionierarbeit in Sachen EBM geleistet, so stellte er mit Len Lemeire (Implant) und Jan D’Hooge (Vive La Fête) ein neues spannendes Projekt auf die Beine. Natürlich war die Neugierde der Besucher groß und so war es nicht verwunderlich, dass es vor der Bühne wieder einmal rappelvoll war. Mit etwas Verspätung aufgrund eines weiteren Technikproblems ging es dann auch endlich los. Umgeben von Nebel und Lichtern tauchte die Band aus dem Dunkel auf und schaffte es sofort, die Menge in ihren Bann zu reißen. Jeder Beat ging direkt ins Blut über und so stand niemand mehr still. 32 Crash lieferten eine tolle Mischung aus Songs von ihrer ersten Scheibe wie z.B. „Propaganda“, „Fast Crash“ oder „Ismodia“ sowie Songs des neuen Albums „Y2112Y“, das bald veröffentlich werden soll. Nach einem bereits sehr umfangreichen Set gaben die drei dann sogar noch zwei Zugaben und machten damit sicherlich viele Fans restlos glücklich und zufrieden.
Setlist
Als Headliner auf der großen Bühne hatte sich die Metal- Formation Atrocity angekündigt. Natürlich war reiner Metal sicher nicht das, was alle Besucher des NCN favorisierten, dessen war man sich bewusst. Aus diesem Grund hat sich die bereits 1985 von Alexander Krull und seinen Mannen gegründete Band etwas Tolles ausgedacht: eine Best- Of- Show, bei der natürlich hauptsächlich die Stücke von den Cover- Alben „Werk 80“ und „Werk 80 II“ im Mittelpunkt stehen sollten. Somit war die Freude groß, endlich aus vollem Halse ein paar 80s Pop- und Wave- Classics mitgröhlen zu können. Und mit dem Camouflage Cover „The Great Commandment“ ging es nach einem atmosphärischen Intro auch direkt los. Der langhaarige Frontmann sang aus tiefstem Leibe ins Mikro und öffnete immer wieder die Arme, so als würde er etwas predigen. Im Hintergrund tanzten zwei gut aussehende, junge Damen auf erhöhten Tanzflächen und untermalten die Songs mit ihren Bewegungen passend. Immer wieder sprach Alexander auch zur Menge, forderte sie zum Jubeln und Mitfeiern auf und tatsächlich wurde die Stimmung bei Songs wie „Die Todgeweihten“, zu welchem Liv Kristine die Backgroundvocals beisteuerte, oder dem Cover von And One’s „Deutschmaschine“ immer ausgelassener. Eine tolle, unterhaltsame Show und ein phantastischer Abschluss des zweiten Festivaltags – zumindest auf der großen Bühne.
Setlist Natürlich sollte aber auch die kleine Bühne für jenen Tag von einem Headliner geschlossen werden. Hierfür war die Karlsruher Formation In My Rosary vorgesehen, die die Menge mit einer Mischung aus Darkfolk, Wave und Electro- Pop in eine selige Nachtruhe zu schicken. Und natürlich gab es auch an diesem Tag noch eine anschließende After- Show- Party, auf der sich sicherlich noch der ein oder andere verausgabte und den Tag tanzend ausklingen ließ. Wir machten uns indes auf den Heimweg, um fit für den nächsten Tag zu sein. Hatten wir doch heute schon so viele tolle Acts wie Sensory Gate, Klangstabil oder Absolute Body Control gesehen, so freuten wir uns nun noch mehr auf einen schönen dritten Festivaltag bei der Nocturnal Culture Night.
Bilder des zweiten Tages gibt es HIER in unserer Konzertgalerie: NCN Festival 2011 Tag 2 Sonntag 04.09.2011
Der dritte Tag der Nocturnal Culture Night lockte nicht nur mit einem Bombenwetter sondern genauso mit einer Menge toller Bands. Auf der kleinen Bühne zeigte sich der zweite NCN- Geheimtipp nova- spes mit einer ordentlichen Portion elektronischer Klänge dem Festivalpublikum und klatschte sich ab mit den rockigeren Herrschaften von Schöngeist und mit stimmungsvollen Klängen des weiblichen L'âme Immortelle- Stimmchens Sonja Kraushofer mit ihrem Projekt Persephone. Die große Bühne fuhr nicht weniger interessantes Klangwerk auf und so wurde mit Eyes Shut Tight, Future Trail und Blind Passenger eine ansprechende Mischung aus Rock und allerlei Elektro geliefert.
Setlist
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Als Robert und Gabi dann endlich die Bühne betraten, war die Freude hörbar groß. Und während Robert sich gewohnt unauffällig hinter den Drums positionierte, ließ Gabi das ganze Gejubel erst einmal auf sich wirken, bevor er zu „Verschwende Deine Jugend“ ausholte. Sofort setzte nicht nur er, sondern auch die Menschenmenge vor der Bühne sich in Bewegung und feierte, was das Zeug hielt. Immer wieder luden DAF durch und schossen nach und nach all ihre bekannten und beliebten Kracher in die Menge. Ob „Der Mussolini“, „Du Bist DAF“ oder „Als Wär's Das Letzte Mal“ - jeder Ton, jeder Beat schlug ein wie eine Bombe. Nach 18 Songs war das eigentliche Set zu Ende und natürlich legten Robert und Gabi noch zwei Titel nach, bevor sie das Publikum glücklich, zufrieden und ausgepowert zurückließen. Ein wirklich toller Auftritt einer faszinierenden Band!
Setlist
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Als dann die ersten Töne von „Joy“ erklangen und Ronan die Bühne betrat, war die Menge nicht mehr zu halten. Und obwohl man zunächst noch mit Soundproblemen zu kämpfen hatte, befand sich die Stimmung am Maximum. Ronan seinerseits war immer wieder begeistert über diesen Applaus und saugte alles in sich auf, sprach viel mit seinen Fans, machte Witze und stellte sich an jenem Tag wirklich als äußerst stimmstark dar. Ob es das treibende „Testament“ oder das ruhigere, bewegende „Illusion“ war – die Töne saßen genau dort, wo sie hingehörten, was bei VNV Nation Auftritten nicht selbstverständlich ist. Mit seiner guten Laune und seiner wohlbekannten Dynamik steckte Ronan wirklich alles an, was sich vor der Bühne tummelte und begeisterte das Publikum nicht nur mit den Klassikern, sondern auch mit neuen Songs wie „Space & Time“ und „Control“ vom aktuellen Album „Automatic“. Eine wirklich belebende Show und ein absolut angemessener Abschluss der Nocturnal Culture Night 2011!
Setlist Und so gingen mit VNV Nation 3 erlebnisreiche Festivaltage im kleinen Deutzen zu Ende. Jeder einzelne Tag hatte seinen ganz besonderen Charme und viele tolle Bands machten die Fans, die im Vergleich zum vergangenen Jahr in wesentlich höherer Anzahl vertreten waren, restlos glücklich. Auch für das NCN 2012 stehen schon einige musikalische Leckerbissen fest, darunter Peter Hook & The Light, Clan Of Xymox, Nosferatu und Beauty Of Gemina. Wir sagen Dankeschön für ein grandioses NCN 2011 und freuen uns schon auf nächstes Jahr! Bilder des dritten Tages gibt es HIER in unserer Konzertgalerie: NCN Festival 2011 Tag 3
Autorin: Tanja Pannwitz
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