Mittwoch, 22. Oktober 2014
E-tropolis Festival 2010 - Berlin, Columbiagelände (26.06.2010) PDF Drucken E-Mail

Ein bereits in den letzten Jahren sich abzeichnender Trend hat im WM-Jahr 2010 seinen bisherigen Höchststand erreicht: Das Sprießen neuer Musikfestivals aus dem Boden der Musiklandschaft. Einige davon mussten aus den verschiedensten Gründen schon vor Austragung die Segel streifen, einem der größeren Debütanten gelang am letzten Juniwochenende hingegen die Feuertaufe, wenn auch mit einigen Startschwierigkeiten.


Das E-tropolis-Festival in Berlin stand also erstmals auf dem Zettel der Veranstalter und nachdem es zunächst als Openair-Festival mit nur einer Bühne geplant war, wurde die Veranstaltung einige Wochen vor dem Startschuss aus der Berliner Zitadelle hinaus (oder besser hinein) auf das Columbiagelände verlegt, nunmehr auf zwei Bühnen und mit sechs zusätzlichen Bands. Eigentlich schade, denn wir hatten uns Anfang des Jahres bereits auf unseren ersten Konzertbesuch in der wunderschönen Zitadelle Spandau gefreut und auch der Wettergott hatte diesen Termin wohl schon frühzeitig in seinem Kalender notiert und so schien die Sonne, dass es eine wahre Freude war. Zumindest wenn man sich an der frischen Luft aufhielt, in der Columbiahalle und dem zugehörigen Columbiaclub war es insbesondere später, als auch die letzten Fans eingetroffen waren, ebenfalls sehr warm, aber zudem stickig und schwitzig. Die Columbiahalle wirkte auf uns zunächst relativ klein, wir hatten mit einer größeren Location gerechnet, zumal der zugehörige Club noch deutlich kleiner ist. Da die Veranstalter mitgedacht und die gleichzeitig laufende Fußball-Weltmeisterschaft fest mit eingeplant hatten, gab es zudem einen Raum mit Public Viewing, auf dem die beiden Spiele des Tages verfolgt werden konnten. Diese Umstände und ein Lineup um die Headliner Hocico, Covenant und Combichrist lockten dann schlussendlich immerhin 3.500 Zuschauer aufs Gelände.

Musikalisch los ging es pünktlich um 15 Uhr, als die Arbeiter der Patenbrigade:Wolff [GALLERY] ihre Plätze auf der eigens für die errichteten Baustelle einnahmen. Diese war zunächst noch mit Flatterband gesichert, wurde aber schon nach einem Song freigegeben und es wurde an den verschiedenen Maschinen (Instrumenten) mit der Arbeit begonnen. Die Songs sind textlich recht einfach strukturiert und ranken sich um diverse Ereignisse der Arbeitswelt und artverwandte Themen, eine Vorliebe die sie bis zum Exzess ausleben. Uns ließ das noch recht kalt, denn so schön die neun Brigadiere ihre Baustellenutensilien auch aufbauten, das spannende Element fehlte uns noch und die Show wirkte fast (ungewollt) komisch statt mitreißend. Für einen Opener war das okay, aber dass es in der Halle heiß herging, lag zu diesem Zeitpunkt dann doch noch eher an den hohen Temperaturen dieses Sommertages.


Setlist:
01. Stalinallee
02. Vorsicht! Feind Hört Mit
03. Gefahrstoffe
04. Popmusik Für Rohrleger
05. Schusswechsel
06. Ostberliner Bauarbeiter
07. Abrissbude
08. Demokratischer Sektor

Ganz anders bei KMFDM [GALLERY], wo von Beginn an gerockt und das Publikum vom Start weg auf Energie eingestellt wurde. Spätestens ab „Tohuvabohu“ shouteten nicht nur die Performer selbst, sondern auch ihre Fans und es wurde getanzt und in Ansätzen bereits trotz der Hitze im Moshpit gepogt. Mit ihrem gitarrendurchtränkten Electrosound stach die deutsche Combo recht deutlich aus dem sonstigen Billing der Veranstaltung hervor, konnte dieser damit aber zusätzliche Aspekte verleihen. Das Wort schweißtreibend traf es da schon sehr gut, denn die fünf ließen nicht locker und hauten den Zuschauern ein Brett nach dem anderen vor den Latz, darunter das sich fest im Kopf einzementierende „Hau Ruck“ oder „Megalomaniac“, bevor „A Drug Against War“ das Set beschloss und ein recht erschöpftes Publikum zurückließ.


Setlist:
01. DIY
02. Bait & Switch
03. Tohuvabohu
04. Son Of A Gun
05. Hau Ruck
06. Looking For Strange
07. Potz Blitz
08. Attak And Reload
09. Megalomaniac
10. A Drug Against War

Wer davon nun erst einmal Erholung benötigte, konnte diese entweder auf der leider recht übersichtlichen Shoppingmeile tun, gemütlich auf den vielfach vorhandenen Sitzmöbeln die Seele baumeln lassen, oder im Club vorbeischauen, in dem sich die Newcomer "She's All That" [GALLERY] für ihren Auftritt bereit machten. Um She's All That ranken sich einige Mysterien, da die vier Musiker stets mit Masken auftreten und der Mehrheit somit ihre wahre Identität verborgen bleibt. Soviel sei verraten: die ebenfalls mit einer Männermaske ausgestattete Sängerin dürfte vielen aus dem Fernsehen bekannt sein. Musikalisch war der energiegeladene Elektronica-Pop des Quartetts ganz nett anzuhören und ihre Frontfrau gab sich alle Mühe das Publikum in Stimmung zu bringen - durchaus mit einigem Erfolg.


Wir wechselten aber alsbald wieder zurück in die Halle wo als nächstes Leaether Strip [GALLERY] auf dem Programm stand. Leaetherstrip Mastermind Claus Larsen ist bereits seit über zwanzig Jahren fest in der Electroszene verankert und spätestens mit seinem Werk "Solitary Confinement" aus dem Jahre 1992 hat sich Claus tief und fest im Firmament des Electroolymps eingenistet. Bis zum letztjährigen Amphi-Festival in Köln mussten seine Fans dabei sehr lange auf einen Auftritt des Dänen warten, seither stand er aber doch schon wieder einige Male auf deutschen Bühnen und somit hatte man bereits eine gute Vorstellung von dem, was einen hier erwarten würde. Wie schon beim Amphi-Festival 2009 oder dem WGT 2010 überzeugte Claus mit einer beeindruckenden Reise durch die Leaether Strip Geschichte und hatte die Bühne trotz seiner Alleinunterhaltershow voll im Griff. Natürlich durfte auch der neue, äußerst sozialkritische Song "Turmoil (Fuel For Fascism)" wieder nicht fehlen, der aktueller denn je ist und sich immer mehr zu einem Hit entwickelt. Umjubelt waren aber natürlich vor allem wieder jene Klassiker, die Leaether Strip zu dem gemacht haben, was sie heute sind. "Hate Me!", „Strap Me Down“, das abschließende „Don’t Tame Your Soul“ und vor allem seine erste Single überhaupt "Japanese Bodies" ließen kein Beinpaar mehr fest auf dem Boden verwurzeln, hier wippte automatisch jeder mit und machte den Auftritt Leaether Strips zu einer Tanzparty par exellence.


Setlist:
01. My Shadow Is Your Home
02. Turmoil (Fuel for Fascism)
03. Desert Storm
04. Hate Me!
05. Introvert
06. Japanese Bodies
07. Body Machine Body
08. Strap Me Down
09. Black Gold
10. Don’t Tame Your Soul

Als nächstes standen DAF [GALLERY], die Deutsch Amerikanische Freundschaft, auf der Bühne der Columbiahalle und sie legten los wie die Feuerwehr und forderten das Publikum sofort bis zum Äußersten. „Verschwende Deine Jugend“ schallte es gleich zu Beginn aus den Boxen und jeder der Anwesenden war sogleich bereit dazu dem Aufruf Folge zuleisten. Bei „Ich & Die Wirklichkeit“ gab es nur eine kurze Verschnaufpause, bevor „Der Mussolini“ endgültig alle möglichen Zweifel an einem großartigen Gig der Ikonen dahinwischte. DAF überzeugten von A-Z. Ihre mal energischen, mal monoton langsamen Songs erzeugen jeweils eine ganz besondere Stimmung, die so von keiner anderen Band erschaffen wird. Schon der Gig in Duisburg im März war gut gewesen, allerdings hatte Sänger Gabi Delgado dort krankheitsbedingt mit Stimmproblemen zu kämpfen. Davon war heute nichts zu spüren, seine Stimme klang kraftvoll wie eh und je und wurde vom Drumspiel seines Schlagzeugers Robert Görl perfekt untermalt. Die Fans tanzten, schubsten und schrien die Texte mit, dass es eine reine Freude war. Und die beiden Mannen der Deutsch Amerikanischen Freundschaft zeigten sich ebenso erfreut, sprühten nur so vor Spielfreude und begeisterten das Publikum mit weiteren Hits wie „Alle Gegen Alle“, „Der Sheriff“, dem anzüglichen „Liebeszimmer“ oder das kultige „Sato Sato“. Dass man heute, ausgerechnet in Berlin, auf „Kebab-Träume“ verzichtete war da nur ein kleiner Schönheitsfehler, trübte die Stimmung aber in keinster Weise. Ein wirklich toller Auftritt der beiden Electropioniere.


Deutlich härter ging es weiter, denn Feindflug [GALLERY] verwandelten die Bühne und im weiteren Verlauf auch den Rest der Halle in einen regelrechten Kriegsschauplatz. Das galt leider insbesondere für die schon sehr unangenehme Lautstärke während des Gigs. Zu flackerndem Strobofeuer der Scheinwerfer gesellten sich lautstarke Trommelschläge, die trotz der vielen Drumkits, Tonnen und Fässer auf der Bühne allerdings zum Teil vom Band zu kommen schienen, und natürlich die schon bekannten Samples, allen voran natürlich das „Alle 7 Sekunden stirbt ein deutscher Soldat. Stalingrad - Massengrab“ aus dem Song „Roter Schnee“. Man kann spekulieren, ob Feindflug nach dem Deckeneinsturz beim letztjährigen Amphi Festival auch heuer die Stabilität des Gebäudes testen wollten, zumindest aber hielt die Decke trotz der dröhnenden Lautstärke dieses Mal. Ob das jedoch auch für die Trommelfelle aller anwesenden Besucher gilt, mag bezweifelt werden. Diskussionswürdig auch die Frage, ob man die Feindflugschen Themengebiete wirklich so durchexerzieren muss. Stapelweise weiße Todeskreuze und Erhängungsszenen im Comicstil lassen Feindflug immer mehr an den Rand des Kitsches strömen. Schade eigentlich, denn so was hätte man gar nicht nötig, die Songs von Feindflug sind zwar beizeiten monoton, aber strotzen nur so vor Testosteron und sind durchweg mitreißend genug. Das gilt allen voran natürlich für die zweite Zugabe „Stukas Im Visier“, einem der größten Clubhits der elektronischen Neuzeit.


Setlist:
01. Jarhead
02. Gulag
03. Machtwechsel
04. Truppenschau
05. Roter Schnee
06. AK 47
07. Ersatzteil
08. Glaubenskrieg
09. Neue Sieger
10. Selbstsucht (Z)
11. Stukas Im Visier (Z)

Während des Auftritts statteten wir dem Columbiaclub und dem dort parallel stattfindenden Mind.In.A.Box-Konzert einen weiteren Besuch ab. Mind.In.A.Box [GALLERY] stammen aus Österreich und waren in der Vergangenheit nur äußerst selten live auf der Bühne zu bestaunen. Umso mehr freute sich die kleine, aber feine Fangemeinde auf dieses rare Ereignis und wurde nicht enttäuscht. Ausgelassen feierten die Fans in den vorderen Reihen ihre Lieblinge, die live als Quartett mit Gitarre, Bass und Schlagzeug auftraten und ihrem Sound dadurch ein stärkeres Livefeeling anhaften konnten. Schade, dass die von Welle:Erdball-Frontmann Honey angekündigte Videopräsentation durch das aufgebaute Schlagzeug weitestgehend zugestellt wurde und den Rest der vielfach eingesetzte Nebel erledigte. Aber das täuscht nicht über einen gelungenen Auftritt hinweg, dem im Herbst noch weitere Termine folgen werden, wenn Mind.In.A.Box die Electrohelden Front Line Assembly supporten.


Setlist:
01. Remember
02. Amnesia
03. Stalkers
04. Fear
05. Certainty
06. Light & Dark
07. Questions
08. Whatever Mattered
09. Second Reality

Kommen wir nun zu unserem persönlichen Highlight des Festivals: Combichrist [GALLERY]! Seit jeher sind Andy LaPlegua und seine Mannen für energiegeladene Liveshows bekannt, wovon sich in den letzten Monaten im Rahmen der Rammstein-Tour nun auch endlich ein breiteres Publikum ein Bild machen konnte. Auf der Supporttour wurden Combichrist stets äußerst positiv aufgenommen und konnten ihre Fangemeinde sicher weiter ausbauen. Mit diesen Erfolgen gestärkt legten die vier zu „All Pain Is Gone“ gleich richtig los und ließen bei ihrem über eine Stunde dauernden Gig keinen Raum zum Durchatmen. Von Sekunde eins an feierte die Halle und tanzte sich fast schon in Ekstase. Frontmann Andy, neuerdings mit blonden Haaren, war wieder richtig gut in Form und zeigte auf, wie stark eine echte Rampensau eine Show bestimmen kann. Angepeitscht wurde er dabei immer wieder durch die von Joe Letz und Trevor Friedrich wüst bearbeiteten Livedrums und -percussion, die der Show eine unfassbare Energie verleihen. Unerwähnt soll natürlich auch nicht Keyboarder Z_Marr bleiben, der einen zusätzlichen Blickfang in der Bühnenmitte darstellt und den Songs die notwendigen Grundflächen bietet. Es ist schon immer eine wahre Freude den vieren zuzusehen und sich von ihnen im wahrsten Sinne des Wortes anstecken zu lassen. Vergessen war die sowieso schon vorhandene Hitze in der Halle, nun kamen die Schweißtropfen von den sich im Rhythmus bebenden Körpern der Fans. Diese erfreute natürlich umso mehr, dass für Ende August ein neues Album angekündigt wurde, man darf mehr als nur gespannt sein! Den Schlusspunkt unter eine absolute Hammershow setzte natürlich „What The Fuck Is Wrong With You People?“, bei dem das Material der Band mal wieder ordentlich leiden musste. Schon während der Show versorgt Joe Letz die Stagehand ja regelmäßig mit Zusatzarbeit, indem er Drumsticks verteilt oder auch gerne mal eine seiner Trommeln umwirft, doch gegen Ende der Show wird die Bühne stets regelrecht in Schutt und Asche gelegt. Da fliegt die ein oder andere Trommel von Joe’s Seite in den Drumturm Trevors oder Trevor reißt seine Drums in bester King Kong Manier gleich selbst zu Boden. So verwandelt sich der zuvor Alpen ähnliche Bühnenaufbau sehr schnell in einen Querschnitt der Niederlande. Geradezu ein Wunder, dass bei diesen Gelegenheiten verhältnismäßig wenige Verletzungen passieren, auch wenn diese in der Vergangenheit nie ganz ausgeschlossen werden konnten. Hier gab es mal wieder nichts zu rütteln, Combichrist waren ganz sicher der geheime Headliner des Festivals.


Vor dem Konzert von Covenant [GALLERY] kündigte Antonia von Welle:Erdball der Jahreszeit entsprechend eine schwedische Midsommar-Party an. Wie eine solche in den Augen einiger Schweden scheinbar aussehen muss, bekamen die Zuschauer im Verlauf des Konzerts zu spüren. Wie schon beim Blackfield Festival begannen Covenant nach einem Intro mit „Stalker“, eigentlich einem meiner Lieblingssongs. Doch irgendwie scheint der Song von Mal zu Mal kraftloser zu werden, als würden sie ihn nur unfreiwillig spielen und wären danach froh, ihn endlich hinter sich zu haben. Besser gefiel uns da schon der (immer noch neue) Song "Dynamo Clock" vom angekündigten neuen Album „Modern Ruin“, wohingegen dem ebenfalls neuen „If I Would Give My Soul“ dieses Mal irgendwie die notwenige Hingabe fehlte. Überhaupt wurde schnell klar, dass heute wieder einmal die Energie früherer Auftritte fehlen sollte. Besonders negativ fiel in Berlin Keyboarder Joakim auf, der das in Schweden so bekannte Fest offensichtlich vorab bereits zu ausschweifend gefeiert hatte, sich zum Teil kaum auf den Beinen halten konnte und später komplett auf dem Bühnenboden zum erliegen kam. Auch wenn er sich mittlerweile im Covenant-Forum für dieses Verhalten entschuldigt hat, ein schwaches Bild und alles andere als eine professionelle Einstellung zum eigenen Job. Auch Sänger Eskil schien während des Auftritts etwas „angespannt“ zu sein, was aber vielleicht auch mit Joakims desolater Verfassung zu tun hatte. Daniel Myer im Bühnenhintergrund nahm das Ganze professionell und tat das, wofür er da war, nämlich Keyboard und Synthies spielen und bei einigen Songs die Drums zu schlagen, um den Tracks wenigstens etwas zusätzliche Energie zu verschaffen. Rausreißen konnte dies den Totalausfall eines Musikers aber leider nicht mehr. Der Auftritt ist ganz sicher der Negativpunkt in der Geschichte der Schweden, von nun an kann es eigentlich nur noch wieder besser werden.


Setlist:
01. Stalker
02. 20hz
03. Dynamo Clock (new song)
04. Invisible & Silent
05. If I Would Give My Soul (new song)
06. The Men
07. Ritual Noise
08. Improvisation
09. Theremin
10. Call The Ships To Port
11. Der Leiermann (Z)
12. Babel (Z)

Ganz anders präsentierten sich hingegen Hocico [GALLERY], die offiziellen Headliner des ersten E-tropolis Festivals. Wie bei früheren Festivalauftritten, als sie zum Beispiel farbenfroh bekleidete und bemalte Mayakrieger mit auf die Bühne führten, hatten sich die beiden Mexikaner Erk Aicrag und Racso Agroyam auch für das E-tropolis-Debüt etwas Besonderes einfallen lassen. Und so betraten zunächst ein Krieger in Predator-Outfit und eine weitere Kriegerin die Bühne und trugen anfänglich jeweils einen Fernseher vor dem Körper, bevor sie einige Moves mit Hieb- und Stichwaffen ablieferten. Nach knapp fünf Minuten enterten dann aber auch die beiden Hauptakteure der Show die Bühne und es konnte richtig los gehen. Wie bei Hocico gewohnt hielt sich Instrumentalist Racso relativ bedeckt im Bühnenhintergrund, während Frontmann Erk umso mehr über die Bühne lief und tanzte und sich dabei die Lunge aus dem Hals schrie. Musikalisch boten die beiden eine exklusive Best Of Show, zu welcher neben solchen Hits wie „Forgotten Tears“, „Untold Blasphemies“ oder „Poltergeist“ auch die gerade erschienene neue Single „Dog Eat Dog“ gehörte, die sich sicher wieder tief in die Herzen der Fans spielen und die Dancefloors der hiesigen Tanztempel erbeben lassen wird. Es war ein versöhnlicher Abschluss eines durch den Auftritt von Covenant kurz ins Wanken geratenen Festivals mit einem durchaus verdienten Headliner Hocico.


Setlist:
01. A Fatal Desire
02. Born To Be Hated
03. Spirals Of Time
04. Untold Blasphemies
05. Dog Eat Dog
06. Love Posing As A Prostitute
07. Bloodshed
08. About A Dead
09. Escape The Spell
10. Odio Bajo El Alma
11. Forgotten Tears (Z)
12. Poltergeist (Z)

Was bleibt also von diesem Festival? Auf das Covenant Fiasko sind wir nun genug eingegangen und dieses ist den Veranstaltern natürlich nicht anzukreiden. Insgesamt war es ein erfolgreicher Start in die neue Festivalreihe, auch wenn es sicher noch das ein oder andere zu verbessern gibt. So wird wohl das Angebot auf der Verkaufs- und Verpflegungsmeile aufgestockt werden müssen, denn Nahrungsengpässe bereits ab dem späten Nachmittag sind wirklich problematisch bei einem Event, dass bis mindestens 2 Uhr in der Nacht angesetzt ist und danach noch mit einer Aftershowparty aufwartet. Auf der anderen Seite stehen die durchaus zahlreichen Sitzgelegenheiten, die schöne Galerie in der Columbiahalle und natürlich, im Vergleich zu einem Event in der Zitadelle, die längeren Spielzeiten und Möglichkeiten das Lineup üppiger zu gestalten. Inwiefern letzteres bei der Vielzahl von Festivals und damit verbundenen Lineupüberschneidungen notwendig ist, muss jeder nach persönlichem Gusto entscheiden, wir selbst tendieren da mittlerweile eher zu Festivals mit einer Bühne und dadurch besseren Möglichkeiten, seine Favoriten komplett anzusehen, zumal das Ganze dann doch deutlich entspannter und ohne zusätzlichen „Umzugsstress“ vonstatten geht. Ebenfalls auf der Habenseite kann das E-tropolis Festival 2010 ein starkes Lineup verbuchen, das doch einige hochkarätige Vertreter der Electroszene in einem Billing vereinte und sich gezielter als andere Festivals an eine bestimmte Zielgruppe wandte. Die Problematik, ein Indoor-Festival Ende Juni und damit mitten im Sommer auszutragen, war in diesem Jahr natürlich der ursprünglichen Planung als Open Air geschuldet und wird sicher in Zukunft nicht mehr vorkommen. Schon jetzt steht fest, dass es auch 2011 ein E-tropolis Festival in Berlin geben wird. Und auch dann findet dieses wieder auf dem Columbiagelände statt, allerdings dann am 03. September und somit zu einem vermeintlich deutlich günstigeren Zeitpunkt für ein Indoor-Festival.

Wir sagen „Danke Berlin“, bis zum nächsten Jahr!

Die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands werden in Kürze nach und nach eingepflegt.