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Freitag, 3. September 2010
AMPHI FESTIVAL 2008 Tag 2 (20.07.2008) PDF Drucken E-Mail

Vom Vortag etwas erschöpft machten wir uns am Sonntag Morgen wieder auf nach Köln, um dem zweiten Tag des Amphi Festivals beizuwohnen und gleich um 12 Uhr Mittags ging es wieder los, als die Mediaeval Babes das Geschehen auf der Hauptbühne eröffneten. Die Genesis der Mediaeval Babes beginnt, wie die Geschichte erzählt 1996, als sich eine Gruppe von Freundinnen zusammenscharte, um ein paar musikalische Maifeiertagsscherze in Hampstead Heath, London zu genießen. Sie drangen in ein abgesperrtes Areal ein, daß, wie sie bald heraus fanden, ein Hexenkreis war und sangen, tanzten und tranken bis ein Gewitter sie weg spülte.



Sie erkannten, dass da etwas in ihnen schlummerte und so organisierte Miranda Sex Garden-Sängerin Katharine Blake einen richtigen Gig in der begrünten und atmosphärischen Kulisse des Abney Park Friedhofs in London. Stilecht in weißen Roben, mit Efeukronen und Kerzen sangen sie hauptsächlich Arrangements von mittelalterlichen Motetten – und die Mediaeval Babes waren geboren! Ihre Musik ist irgendwo zwischen Wave und Mittelaltermusik mit klassischen Elementen beheimatet und bisher hat die Band neben einem Best Of Album und einer Live-CD bzw. DVD immerhin schon sechs Alben veröffentlicht. Die sechs beim Amphi Festival auftretenden Sängerinnen waren in feinsten grünen Roben gekleidet und sangen in verschiedensten Sprachen, darunter Englisch und Latein. Begleitet wurden sie zudem durch drei weitere Musiker im Bühnenhintergrund. Ein interessanter Auftakt, der zwar noch den richtigen Aha-Effekt vermissen ließ, doch gerade für die noch recht frühe Tageszeit war der Auftritt äußerst passend angelegt.


Weiter ging es auf der Hauptbühne mit den Italienern von The Lovecrave, einer Gothic-Rock Band, deren Mitglieder bereits auf längere Musikerlaufbahnen zurückblicken können, in der aktuellen Besetzung und unter dem Namen The Lovecrave firmiert man aber erst seit wenigen Jahren und das Debutalbum "The Angel And The Rain" datiert aus dem Jahre 2006. Die Band besteht aus Gitarrist Tancredi 'Tank' Palamara, Sängerin Francesca Chiara, Basser Simon Dredo und Drummer Iak, wobei die gesamte Show ganz auf die energiegeladene Sängerin Francesca ausgerichtet ist. Francesca flitzte über die Bühne und ihre zum Teil an Bonnie Tyler erinnernde Rockröhre erklang über das ganze Gelände und holte auch die letzten Anwesenden aus ihrem Halbschlaf, so dass sie dem Treiben auf dem Gelände folgen konnten.




Noch während die Italiener auf der Bühne rockten, war es für uns Zeit das Theater aufzusuchen, wo sich mit Spectra*Paris das neueste Projekt von Kirlian Camera-Sängerin Elena Alice Fossi vorstellte. Elena hat bereits im letzten Herbst mit Gästen von den Dope Stars Inc. und Punto Omega das Debutalbum von Spectra*Paris veröffentlicht, welches auf den interessanten Titel "Dead Models Society (Young Ladies Homicide Club)" hört und schon andeutet, dass es textlich hauptsächlich um die Rolle der Frauen in der Gesellschaft und insbesondere in Sparten wie dem Model oder Musikbusiness geht. Live bestand das Lineup aus vier Damen, wobei interessanterweise Angelo Bergamini samt Kirlian Camera Mitstreiter beim Aufbau der Gerätschaften mithalf.


Der Auftritt kann nur als gelungen bezeichnet werden. Die Band und insbesondere Elena Alice Fossi besitzt eine gute Bühnenpräsenz, die durch Videoclips unterstützt wird, welche teilweise alltägliche Situationen zeigten, zumeist aber einen erotischen bis trashigen Touch hatten. Elenas Outfit war dementsprechend sexy ausgefallen, mit hochhackigen Stiefeln und einem knappen, mantelähnlichen Lackkleid. Ihre Stimme passte ideal zu den Songs und ich bin mir sicher, dass die Band an diesem Tag einige neue Fans hinzugewonnen hat.


Auf der Hauptbühne wurde derweil das Ruder von der Letzten Instanz in die Hand genommen, welche ihren Set bereits etwas vor der angekündigten Zeit eröffneten und somit einigen Fotografen das Laufen beibrachten. Bisher hatte ich die Band noch nicht live gesehen, hatte jedoch bereits unzählige Fotos der Band bewundern können, die insbesondere mit Benni Cellini an seinem Cello samt Aufbau einen absoluten Blickfang auf der Bühne präsentieren kann. Letzte Instanz stammen aus Dresden, machen Mittelalterrock mit klassischen Elementen und sind für ihre energiegeladenen Shows bekannt, was sie auch auf dem Amphi Festival 2008 wieder unter Beweis stellten.


Holly D. und Oli an Akustik- bzw. Elektrogitarre, Michael Ende am Bass und Specki T.D. am Schlagzeug sind für den Rhythmus zuständig, der mit Cello und Violine garniert wird und aus dem sich die deutschsprachigen Gesänge von Sänger Holly erheben. Natürlich präsentierte die Band Songs aus ihrem aktuellen regulären Studioalbum "Wir Sind Gold", aber auch Fremdinterpretationen gehören seit jeher zu ihrem Repertoire, dieses Mal wurde live Alice Coopers "Poison" von den sieben Jungs gecovert.


Wir bleiben gleich draußen, denn als nächstes standen Das Ich auf dem Plan, die ja für ihre exzentrischen Auftritte bekannt sind. Das Ich sind Stefan Ackermann und Bruno Kramm, die beiden werden live allerdings von einem zusätzlichen Live-Keyboarder unterstützt. Die Band galt Anfang der Neunziger Jahre schnell als Vorreiter der "Neuen Deutschen Todeskunst" und war gleich mit einem ihrer ersten Songs ("Gottes Tod") in aller Munde. Für die meist elektronischen Wavesounds ist Bruno Kramm zuständig, seine Songs erhalten daraufhin durch Stefan Ackermanns direkte Texte und seinen deutschsprachigen Sprachgesang den letzten Schliff, der sie in der Szene unverwechselbar macht.


Unverwechselbar sind sie dann auch auf der Bühne, denn Bruno Kramm gefällt sich in der Form des teuflischen Harlekins, während Stefan Ackermann seinen schmächtigen Körper stets bemalt zur Schau stellt, was seine Wirkung niemals verfehlt. In Köln betrat Stefan Ackermann die Bühne komplett rot bemalt und es ist wirklich interessant, seine Gestik auf der Bühne zu verfolgen, zumal die Band in der Lage ist, ihre Songs live sehr energisch zu präsentieren und auch die an einer Mittelkonstruktion befestigten, schwenkbaren Keyboards führen zu mehr Dynamik auf der Bühne, so dass auch dieser Auftritt wieder einmal die Massen anzog und in seinen Bann zog. Selbstverständlich durften Hits wie "Gottes Tod" und "Kain Und Abel" im Set ebenso wenig fehlen, wie ihr wohl größter kommerzieller Erfolg "Destillat", welches dank eines überaus tanzbaren VNV Nation-Remixes ständiger Gast in deutschen Tanztempeln ist.


Hinter der österreichischen Band L'âme Immortelle verbergen sich hauptsächlich Thomas Rainer und Sonja Kraushofer. Die in 1996 gegründete Band konnte bereits kurz nach ihrer Gründung einen Szenehit landen, denn "Bitterkeit" war seinerzeit in aller Munde. Damit war der Szenezugang geschafft und die Band brachte es bisher auf neun Studioalben, wovon das letzte "Namenlos" in diesem Jahr als Doppel-CD erschien. Seit ihrem vierten Album "Dann Habe Ich Umsonst Gelebt" aus 2001 hat die Band mit ihren Alben zudem stets den Sprung in die Charts geschafft, ihr Album "Gezeiten" kletterte immerhin auf Platz 16. Sprachlich wechseln sich deutsche und englischsprachige Songs bei LAM ab, wobei man thematisch zumeist melancholische Töne anschlägt. Musikalisch ist die Band in den letzten Jahren ruhiger und mainstreamorientierter geworden, ihre Songs leben aber noch immer aus dem Kontrast von Thomas' dunklem, verzerrtem Gesang und Sonjas emotionaler weiblicher Stimme.


Den Set beim Amphi eröffnete dann auch passenderweise gleich der "Pfortenöffner" der Band: "Bitterkeit". Thomas schritt die Bühne ab und intonierte wüst seine Lyrics, während Sonja während ihrer Gesangseinlagen konzentriert wirkte, dann aber ihren Körper wild verbog und schnell über die Bühne schwang, was zu einigen merkwürdigen Verrenkungen führte. Mir persönlich gibt die Musik von L'âme Immortelle nicht so viel, doch ihre Fans wurden unterhalten und waren mit dem Auftritt offensichtlich zufrieden.


Uns zog es derweil ins Theater, wo man bereits gespannt auf den Auftritt von Untoten-Mitglied David A. Line und seinem Projekt SOKO Friedhof wartete. Soko Friedhof besteht bereits seit 1997 und Sänger David umschreibt sein Projekt auf der Bandhomepage wenig schmeichelhaft mit "Wenn die Untoten die Feier sind, dann sind SOKO Friedhof das Kotzen danach". Bei den Electrosongs verwendet David diverse Filmzitate und bedient textlich mit humoristischem Unterton sämtliche Klischees, die der Wavebereich zu bieten hat. Zu Ruhm der etwas anderen Art gelang die Band (wie auch :Wumpscut:) durch den im Jahre 2001 durch das Ehepaar Ruda begangenen Ritualmord an Frank Hackert, da diese einen SOKO Friedhof-Aufkleber auf ihrem Auto geklebt hatten und die Boulevardpresse sich nur zu gerne auf eine mögliche Verbindung stürzte.


Aufgrund des humoristischen Hintergrunds und des Kultcharakters der die Band umgibt, waren wir gespannt, was sich uns im Theater bieten würde, doch entwickelte sich der Auftritt wider erwartend zu einem halbwegs regulären Konzert einer Electroband, wobei Sänger David mit einem Mundschutz versehen zunächst allein im Mittelpunkt stand, aber schnell von seiner Mitstreiterin Greta Csatlós gesangliche Unterstützung bekam. An der linken und rechten Bühnenseite tanzten derweil zwei ansehnliche Damen zu den Rhythmen der Band, während Greta hippieähnlich über die Bühnenmitte hüpfte. Ein recht guter Auftritt, auch wenn wir etwas anderes erwartet hatten.

Kurz darauf auf der Hauptbühne bekam man aber dann genau das, was man auch erwarten konnte, denn Johan van Roy und sein Suicide Commando betraten die Bühne und das kann nur bedeuten, dass es elektronisch nun ordentlich zur Sache geht und Johan dem Publikum mit seinem verzerrten Gesang ordentlich einheizen wird. Suicide Commando existieren bereits seit über zwanzig Jahren und machen vom Industrial beeinflussten Electro, der neuerdings auch gerne mit dem Prädikat "Hellectro" vermarktet wird. Nach einigen Kassettenveröffentlichungen in den Achtzigern und frühen neunziger Jahren, erschien 1994 das erste Album "Critical Stage" auf CD und der Feldzug des Belgiers durch die Clubs konnte beginnen. Songs wie "See You In Hell", "Hellraiser", "Desire" oder "Dein Herz, Meine Gier" sind aus der Szene nicht mehr wegzudenken und profitieren alle von den für Suicide Commando charakteristischen Beats und ihren zum Teil makaber direkten Lyrics, denn Johan van Roy hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und das ist auch gut so.


Beim Amphi Festival ging es gleich zur Sache, ein Herantasten war nicht notwendig. Wie üblich hatte sich Johan mit einigen Live-Musikern verstärkt und schrie seine Messages über die Beats hinaus ins Publikum, welches angeregt mitfeierte und Hit über Hit nur so in sich aufsog. Es herrschte Partystimmung und ein Zuschauer mit auffälliger Suicide Commando Tätowierung lies es sich sogar nicht nehmen die Bühne zu stürmen, was ihm überaus schnell gelang. Die anwesende Security blickte zunächst etwas überrascht drein, wollte dann einschreiten, was jedoch nicht weiter nötig war, denn als sie den Fan erreicht hatten, lag dieser schon freundschaftlich Johan van Roy in den Armen, drückte ihn kurz und verließ dann in lockerer Begleitung der Security die Bühne auf freiwilliger Basis. Johan hatte ganz offensichtlich seinen Spaß an dieser Aktion und wirkte danach sogar noch enthusiastischer und riss das Publikum geschlossen mit. Ein toller Auftritt des Belgiers und ein Signal an die noch folgenden Bands.


Während des Auftritts von Suicide Commando entschwanden wir kurzfristig um einen Blick auf den Auftritt der niederländischen Formation Clan Of Xymox um Sänger Ronny Moorings zu werfen, welche ich vor einigen Jahren immer mal wieder live gesehen hatte und die mir stets gefielen. Auch sie kann man bereits als Urväter des Electro-Waves bezeichnen, sind sie doch bereits seit Mitte der Achtziger Jahre aktiv, doch gehören sie noch lange nicht zum alten Eisen. Erst im letzten Jahr veröffentlichten Clan Of Xymox die Coverversion des alten David Bowie Hits "Heroes" als Single und in diesem Jahr erschien mit "Visible" auch die erste DVD mit Liveaufnahmen und Interviews. Für den Auftritt beim Amphi Festival hatte die Band all ihre Hits im Gepäck und so wurde man gleich mit Songs wie "Louise" und Co verwöhnt. Die Songs haben noch immer nichts von ihrer Faszination verloren und somit war der Auftritt ganz sicher eines der Highlights im Theater.




Auf der Hauptbühne machten sich derweil die Co-Headliner des Sonntags warm, die -auf Geheiß von Keyboarder Dirk Scheuber- von Funker Vogt Sänger Jens Kästel als "beste Band der Welt" angekündigt wurden: Project Pitchfork! Nachdem Peter Spilles im letzten Jahr bereits mit seinem Project Imatem Gast beim Amphi Festival war, war es in diesem Jahr Zeit für einen Auftritt mit seiner Stammformation und diesem Auftritt fieberten viele bereits entgegen. Neben Das Ich waren Project Pitchfork Anfang der Neunziger Jahre die deutschen Lieblinge des Zillo Magazins, dem sie auch eine Menge Promotion zu verdanken hatten, dies jedoch alles andere als zu Unrecht, denn gerade die Frühwerke Pitchforks waren Wegweiser für den deutschen Electrobereich und Songs wie "Conjure" oder "Souls" sind heute absolute Klassiker. Project Pitchfork bestehen aus Sänger Peter Spilles, Dirk "Scheubi" Scheuber (Keyboard), Jürgen Jansen (Keyboard), Achim Färber (Drums) und Carsten Klatte an der Gitarre. Schon von jeher waren ihnen ihre Texte enorm wichtig, die zumeist religiösen oder geschichtlichen Themen entliehen sind. Aktuelles Album der Band ist Wonderland / One Million Faces aus dem Jahr 2007, in 2008 veröffentlichte die Band zudem mit "Earth Song" eine EP in Zusammenarbeit mit Sara Noxx.


Da ich mit den Bandwerken des aktuellen Jahrhunderts zum Teil so meine Probleme hatte, war ich zunächst gespannt, was da live auf mich zukommen würde, doch mit einer wunderbaren Version von "God Wrote" gleich zu Beginn des Konzerts waren diese Zweifel wie weggewischt und es begann eine Reise durch die besten Tracks der Band und ich war restlos überzeugt. Zum Earth Song kam Sara Noxx als Gastsängerin auf die Bühne und überhaupt war es ein perfekter Gig. Alte Klassiker paarten sich mit neueren Stücken und insbesondere Peter Spilles und Scheubi waren bester Laune, die sich natürlich auch auf das gesamte Rund des Tanzbrunnens und dessen Besucher ausbreitete und somit den perfekten Nährboden setzten für die nachfolgend auftretenden Headliner And One, die übrigens bereits während des Auftritts eine Rolle spielten, als Peter Spilles zu Beginn des Tracks "Timekiller" einige Male "Die Deutschmaschine Lebt" ins Mikro schrie, in Anspielung auf And Ones Coverversion zu "Timekiller".


Bevor die Konzerte der Hauptbühne aber mit And One ein Ende fanden, machten wir noch einen kurzen Abstecher zu den Eisbrechern ins Theater. Ihnen oblag es diesmal, die Fans von solchen Bands wie Rammstein, Unheilig und Co quasi im Alleingang zu befriedigen, einer Aufgabe, der sie sich natürlich gerne stellten. Und so war das Theater trotz des parallel stattfindenden grandiosen Auftritts von Project Pitchfork sehr schnell sehr gut gefüllt und das Publikum war bereit für den Capitano Alexander „Alexx“ Wesselsky und seine Mannen. Die Eisbrecher zählen wie schon angedeutet zur "Neuen Deutschen Härte" und haben sich in diesem Bereich bereits etabliert und traten ja auch schon im letzten Jahr auf der Hauptbühne des Amphi Festivals auf. Diesmal also der Umzug ins Theater, welches sie ordentlich rocken sollten und auch taten. Das Theater war mittlerweile restlos gefüllt und das Publikum begeistert, auch wenn die Band keine neuen Songs vom am 22.08. zur Veröffentlichung anstehenden Album "Sünde" präsentierte.




Der Spaßfraktion von And One war es vorbehalten, das Amphi Festivalprogramm auf der Hauptbühne zu beenden. And One wurden 1989 von Steve Naghavi und Chris Ruiz gegründet, der die Band bereits 1992 verlies, 2001 aber wieder zur Formation stieß. Seit 2002 ist auch Gio van Oli mit von der Partie und die drei sind seit jeher für ihre äußerst unterhaltsamen Shows bekannt. Und auch beim Amphi Festival ließen sie sich nicht lumpen und bescherten dem Publikum einen stimmungsreichen Abschluss. Dies begann gleich mit dem ersten Song, bei dem And One wie schon bei ihrer kurzen Cover-Lover-Tour im Frühjahr den a-ha Hit "The Sun Always Shines On TV" coverten und das Publikum gleich voll mitging. Der Set war gespickt mit alten und neuen Hits, wie zum Beispiel als zweiten Song "Stand The Pain" vom aktuellen Album Bodypop. Weiterhin warten muss man nebenbei bemerkt übrigens auf die Veröffentlichung der Coverversionscompilation "Bodypop 1 1/2".


And One mischten geschickt Klassiker, aktuelle Hits und Coverversionen und so war es nach "Recover You" Zeit für eine weitere Coverversion, diesmal das beliebte "Fools", eine B-Seite der And One Heroen Depeche Mode. Höhepunkt der Show war aber wohl der fünfte Song, den Sänger Steve Naghavi bei nun trockenem Wetter mit den Worten "Nun gibt es die regenfreie Version des Timekillers" ankündigte. Die Begeisterung der Zuschauer kannte keine Grenzen mehr, als Peter Spilles und Scheubi von Project Pitchfork ganz zur Überraschung der SynthPop-Combo die Bühne enterten, und And One den Song fortan gemeinsam mit dessen Urhebern intonierten und allen Beteiligten der Spaß in den Gesichtern stand.


Schweren Herzens verließen wir nach "Sometimes" die Hauptbühne und wohnten dem Beginn des Diary Of Dreams Auftritts im Theater bei. Diary Of Dreams sind das Baby von Sänger Adrian Hates, der die Band 1989 gemeinsam mit Alistair Kane gründete und seither zu den ganz Großen des Darkwave-Bereichs zu zählen ist. Nach dem Ausstieg von Kane stießen weitere Mitglieder zur Band, die derzeit aus Adrian Hates (Gesang, Rhythmusgitarre, Musik), Gaun:A (E-Gitarre, Gesang), Taste (Keyboard, Gesang) und DNS am Schlagzeug besteht. Auch Diorama Frontman Torben Wendt ist vielfach als Gast-Keyboarder dabei. Diary Of Dreams Werke zeichnen sich insbesondere durch eine große Melancholie und Adrians düsteren Texte aus, was ihnen erst kürzlich von Polnischen Fanatikern eine Ausladung vom dort stattfindenden Alternatywna Twierdza Festival einbrachte, die leider mit Erfolg versuchten, den falschen Anschein zu erwecken, bei DOD handele es sich um eine extreme Band mit gefährlichen Messages.


Einem Auftritt beim Amphi Festival stand aber natürlich nichts im Wege und so kamen die Bandmitglieder zu einem düsteren Intro und in Mönchskutten gehüllt auf die Bühne und nachdem sie die Kapuzen abgestreift hatten, ging es mit "Nekrolog 43" und "The Plague" vom aktuellen Album los. Bekanntlich können Diary Of Dreams auf eine treue Fangemeinde zählen, die natürlich auch beim Amphi Festival geschlossen dem Konzert beiwohnte und andächtig den Klängen lauschte und die Texte mitsang. Neben Songs des aktuellen Albums war auch genug Platz für ältere Hits der Band und so gehörten natürlich auch Klassiker wie "Amok", "Butterfly:Dance" und „The Curse" zum Set, was die Zuschauer vollends begeisterte. Wir machten uns nach einer Weile aber wieder hinaus zur Hauptbühne um weiter an der dort stattfindenden Party mit And One teilzuhaben.


Die Jungs blieben ihrem Konzept derweil weiter treu und unterhielten ihre Fans mit Hits am Fließband. Zum Teil übernahm Chris Ruiz wie z.B. bei "Fernsehapparat" das Mikrofon und peitschte die Zuschauer weiter nach vorne. Dem Ende entgegen ging es mit dem Klassiker "Take Some More", gefolgt vom umjubelten "Military Fashion Show". Stimmungstechnisch auf dem Gipfel waren die drei dann aber bei "Technoman", wo es nun endgültig kein Halten mehr bei den Fans gab und diese tanzten, jubelten, mit den Händen winkten und eine absolut großartige Partystimmung erzeugten. Mit der ironischen Ballade "So Klingt Liebe" endete ein wieder einmal absolut überzeugender und auch erschöpfender Auftritt von And One und somit auch das Programm auf der Hauptbühne des Amphi Festivals.


Doch die Veranstalter hatten sich in diesem Jahr noch etwas ausgedacht und, vielleicht in Anlehnung an die Midnight Specials des Wave-Gotik-Treffens, nach einer Pause von knapp eineinhalb Stunden einen letzten Gig für das Theater angesetzt, bei dem niemand geringeres als die deutschen Electro-Pioniere Die Krupps auf der Bühne standen. Allerdings mussten sich die Anwesenden erst noch ein Weilchen gedulden, denn nachdem die DJ-Sets von Daniel Myer und Gillian beendet waren und es los gehen sollte, hatte man noch mit einigen Soundcheckproblemen zu kämpfen, durch die es zu einer Verspätung von knapp dreizig Minuten kam. Doch dann war es soweit und die "Stahlarbeiter" betraten die Bühne.


Die Krupps wurden 1980 in Düsseldorf gegründet und sind die Vorzeigeband was den deutschen Electro-Industrialbereich der ersten Jahre angeht. Ihr erstes Album "Stahlwerkssymphonie" wurde gleich im ersten Jahr ihres Bestehens zur LP des Monats im berühmten britischen New Musical Express (NME) gewählt und ihre Single "Wahre Arbeit, Wahrer Lohn" ist damals wie heute einfach nur herausragend. Mitte der Achtziger Jahre wurde es dann still um die Band, doch schlugen sie 1989 erneut zu, als sie gemeinsam mit den Briten Nitzer Ebb eine englischsprachige Neuauflage ihres ersten Hits aufnahmen, welches als "The Machineries Of Joy" veröffentlicht wurde, dem Original weitere EBM-Einflüsse einhauchte und die Charts stürmte. Es begann die arbeitsreichste Phase der Band, die es stets verstand, ihren Stil weiterzuentwickeln und heraus kamen solch Hymnen wie "Fatherland" oder auch das großartige "To The Hilt". 1997 wurde es erneut ruhig um Die Krupps, doch derzeit arbeitet man nach der Veröffentlichung von zwei Best Of Alben an einem neuen Longplayer, auf den man mehr als gespannt sein darf.


Beim Amphi Festival gab es für das ausharrende Publikum noch einmal die volle Breitseite, denn die Band überzeugte nicht nur mit den schon angesprochenen Hits, sondern baute auch alte Klassiker wie "Tod Und Teufel" oder "Zwei Herzen, Ein Rhythmus" vom "Volle Kraft Voraus"-Album mit in ihren Set ein, was natürlich für zusätzliche Begeisterung sorgte. Sänger Jürgen Engler präsentierte sich wie die gesamte Band in Topform und stachelte seine Band und das Publikum zu Höchstleistungen an und lies dieses am Ende von "Wahre Arbeit, Wahrer Lohn" sogar selbst ins Mikrofon singen. Ein absolut krönender Abschluss eines tollen Festivals und jeder, der die Wartezeit bis zum Auftritt der Krupps nicht auf sich nehmen wollte, hat einiges verpasst.


So ging ein anstrengendes, aber durchweg zufriedenstellendes Festival seinem Ende entgegen und nur noch die letzten Tanzwütigen blieben im Theater, um der abschließenden Aftershowparty noch beizuwohnen, bevor auch sie in der Nacht entschwanden und größtenteils im nächsten Jahr sicher wieder zum Kölner Tanzbrunnen pilgern werden... uns eingeschlossen.


In Kürze folgen noch ausführlichere Fotosets der beim Amphi Festival aufgetretenen Bands.

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