Donnerstag, 23. Oktober 2014
DIORAMA & FELIX MARC - Bochum, Matrix (11.05.2012) PDF Drucken E-Mail

Felix Marc ist beileibe kein Unbekannter in der Musikwelt. Der Keyboarder von „Diorama“ und Sänger von Frozen Plasma veröffentlichte 2011 sein Debutalbum „Parallel Worlds” und die Nähe zum großen Bruder machte es ihm sicherlich leichter, auch deren Fans auf seine Seite zu ziehen. So bleibt also alles in der Familie. Im schicken Zwirn erschien Felix auf der Bühne der Matrix und im Gegensatz zur rein elektronischen Musik auf seinem Album nutzte der Musiker die Backline des Hauptacts unterstützt durch Drums, Bass, Gitarre, Synths und weiblichen Backgroundgesang. Direkt beim Opener „Digital Love“ animierte der sympathische Künstler zum Mitklatschen und die Stimmung war sofort gut bis ausgelassen. Die Songs von „Parallel Worlds“ präsentierte der Sänger charmant, selbstbewusst und gutgelaunt und kam dabei eher wie der nette Bankangestellte von Nebenan herüber, dem man sofort alles abkaufen würde. Eine parallele Welt. Im Gegensatz zu den eher melancholischen, nachdenklichen, dennoch tanzbaren Stücken wie z.B. „Fallen Stars“ lief Marc voller Enthusiasmus über die Bühne und brachte nicht nur überarbeitete Songs seines Albums, sondern mit „Mystify“ sogar ein sehr gelungenes Cover der australischen Kultband „INXS“. Gemessen an der Länge des Auftrittes konnte man kaum von einem Support sprechen, es war fast eine ebenbürtige Performance. So kamen hier und da auch ein paar Längen auf. Zum Beispiel an der Stelle, als die hübsche Keyboarderin Mylucina von Felix mit verbundenen Händen wie eine Art Sklavin nach vorne geführt wurde um mit ihm „Collector“ im Duett zu singen. Eine Verbeugung vor Mummenschanz á la „Blutengel“? Nichtsdestotrotz fühlte man sich gut unterhalten und war schön eingestimmt auf den Hauptact des Abends.

Setlist Felix Marc:
01. Digital Love
02. Belles
03. Ghost
04. Moscowparis
05. Modern Talking
06. Parallel World
07. Fallen Stars
08. Mystify (INXS Cover)
09. Collector
10. The muse
11. Life is Porn
12. Garden of Light
13. Give back the Moments

Diorama wurde 1996 von Torben Wendt gegründet und hat sich seit diesem Zeitpunkt zu einem der interessantesten Acts der deutschen Gothic Scene entwickelt. Qualitativ immer gleichbleibend gute Alben und ausgedehnte Touren mit VNV Nation und Diary of Dreams ließen die Fanbase der Band stetig ansteigen. Besonders im Ausland, wo die Band sehr gerne spielt und viele Anhänger hat. So befanden sich an diesem Abend auch einige ausländische Gäste aus Russland oder Frankreich unter den Zuschauern.

Aufgeheizt durch die Enge der Matrix und nicht vorhandener Luftzirkulation hungerten die Fans nach dem Höhepunkt des Abends und sie mussten nicht lange warten, denn nach einer kurzen Umbaupause erschienen Torben Wendt (Vocals, Keys, Percussion), Felix Marc (Keys, Backing Vocals), Sash Fiddler (Gitarre) und Marquess (Drums) auf der Bühne und es war kein Halten mehr. Schon mit dem ersten, noch unbetitelten Song ging es los, es brodelten die Synthies, groovten die Bässe und man war sofort in der richtigen Stimmung gefangen. Ein sehr schöner Opener, der Lust auf das neue Album macht. Die Band brachte anschließend einen ihrer besten Songs zu Gehör, den Knaller „Exit The Grey“ und so konnte ungeniert getanzt werden, der Zuschauerraum wurde noch enger, als er bereits war und die Fans durften zur Belohnung die Strophe alleine singen. Torben verließ sich ganz auf seinen Understatement Charme, wirkte sehr konzentriert, introvertiert, sprach wenig mit dem Publikum und ließ seine Musik für sich sprechen. Songs wie „Definition Power“ und „Refugee“ erzeugten eine schöne Mischung aus EBM und Synthpop und sorgten für einige Gänsehautmomente. Besonders schön waren die Stellen, an denen Mastermind Wendt sich an sein Stagepiano setzte und seine melancholischen Songs zum Besten gab. Mal ruhig, mal rockig wurde die Show präsentiert, hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Der neue Song „Hello Goodbye“ wirkte aufgrund seiner Harmonien fast wie ein russisches Volkslied und Felix durfte durch ein kleines Keyboard-Solo und gekonnte Background Vocals glänzen. Leadsänger Torben wirkte während des Gigs etwas verkniffen und angestrengt, was wohl mit einem Wadenkrampf zu erklären ist, der dem Sänger einige Schmerzen zufügte. Gegen Ende des Hauptteils löste sich nicht nur der Krampf zusehends, sondern auch die Stimmung auf der Bühne und es durfte ein wenig herumgealbert werden. Bei dem genialen Stück Musik namens „Advance“ schwappte wieder eine Welle Pathos und Energie in den Zuschauerraum und es durfte ausgelassen getanzt und gefeiert werden, bevor die Band beim letzten Stück „The Girls“ nochmals so richtig abrocken konnte. Doch Diorama hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht und wurden so frenetisch zurückapplaudiert und gerufen, dass sie gar keine Chance hatten, als ihren Anhängern mit den Knallern „Someone Dies“, „Child of Entertainment“ und „Synthesize Me“ den Abend zu versüßen. Berauscht durch eine sehr gute Show der Ausnahmeband und in der Hoffnung, die Band bald wieder erleben zu können wurde man als Zuschauer schließlich glücklich in die Nacht entlassen.

Setlist Diorama:
01. - (neuer Song, Arbeitstitel „Mother Earth“)
02. Exit The Grey
03. Ignite
04. Definition Power
05. Acid Trip
06. Why
07. Refugee
08. Hello Goodbye (neuer Song)
09. Erase me
10. Last Minute
11. Stereotype
12. Home To Millions
13. Advance
14. The Girls
15. Someone Dies (Z)
16. Child of Entertainment (Z)
17. Synthesize Me (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Diorama:


Felix Marc:


Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon