Montag, 22. Dezember 2014
NIGHTWISH, BATTLE BEAST & EKLIPSE - Düsseldorf, ISS Dome (14.04.2012) PDF Drucken E-Mail

Nachdem ich im Februar bereits Tarja live erleben durfte, war ich nun gespannt, wie sich ihre ehemaligen Kollegen von Nightwish auf der Bühne schlagen würden. Dem 14.04. habe jedoch nicht nur ich entgegen gesehnt, auch zahlreiche andere Fans fanden an diesem Abend ihren Weg zum Düsseldorfer ISS Dome. Dort angekommen, reihe ich mich direkt in die lange Menschenschlange ein, der nur spürbar langsam Einlass gewährt wird. Zeit ist also genug, um sich einmal umzuschauen und festzustellen, dass Nightwish nach nunmehr über 15 Jahren Bandgeschichte ihre Fans aus sämtlichen Schichten rekrutieren. Von düster- szenigen Gestalten bis zur Mainstream- Mama ist alles dabei und es ist schön zu sehen, dass viele der damaligen Fans der Band Trotz des Ausstiegs Tarja Turunens treu geblieben sind.

Als Warm- Up steht dann auf der Bühne auch schon die russische Antwort auf Apocalyptica bereit – Eklipse. Die vier jungen, musikalisch talentierten Damen, die sich für diesen Abend besonders adrett hergemacht haben, liefern zwar alles andere als Metal, jedoch läuten sie mit einigen instrumentalen Coverversionen, darunter Lady Gagas „ Paparazzi“ und „Wonderful Life“ von Hurts, den Abend auf ihre Art und Weise gekonnt ein. Positive Rückmeldung gibt es aus dem Publikum genug, auch wenn dem einen oder anderen dieser Einstieg vielleicht etwas zu ruhig erscheint.

Wesentlich lauter geht es dann mit der finnischen Band Battle Beast weiter, die Heavy Metal in seiner Ursprungsform darbieten. Es fällt beim ersten Hören schwer, Sängerin Nitte Valo tatsächlich stimmlich auch als Frau zu identifizieren, so kraftvoll und rotzig ist der Klang ihrer Stimme. Und zu Songs wie „Cyberspace“ oder dem Ohrwurm „Show Me How To Die“ wird nicht nur auf der Bühne headbangend abgerockt, sondern auch die Menge lässt sich mehr und mehr von den Metalklängen packen und mitreißen.

In der Umbaupause wird die Bühne mit weißen, langen, Fetzen- Vorhängen verhangen, was die Spannung bei den Fans um ein Weiteres anhebt. Und plötzlich ist es so weit: eine Spieluhr wird aufgezogen, eine wohlige Melodie erklingt und hinter dem Vorhang wiegt sich ein Schatten im Schaukelstuhl zum Imaginaerum Intro „Taikatalvi“. Wind durchfächert die weißen Laken und nachdem Sängerin Anette Olzon den Refrain von „Storytime“ angestimmt hat, fällt der Vorhang zur Freude der Fans. Im Hintergrund dreht sich auf einer Leinwand ein buntes Karussell und es dauert nicht lange, bis das Gefühl aufkommt, in eine andere Welt zu gleiten. Nightwish verzaubern, ziehen uns zum Klassiker „Wish I Had An Angel“ in ein rotes Wolkenmeer, das sich bei „Amaranth“ aber direkt wieder blau färben soll. Schnell wird man aus dieser Stimmung gerissen, als auf einmal Feuerfontänen nicht nur vom Bühnenrand in die Höhe schießen, sondern auch aus Tuomas' charakteristischem Keyboard lodern. Dieser aufwändigen Darbietung kann sich einfach niemand entziehen, die Blicke kleben regelrecht auf der Bühne und wohin man auch schaut, sieht man begeisterte, gefesselte Gesichter. Nightwish liefern an diesem Abend ein Set, das inhaltlich nicht runder hätte sein können. Natürlich gibt es da die alten Nightwish Kracher wie „Dead To The World“, „Come Cover Me“, „Planet Hell“ oder das Gary Moore Cover „Over The Hills And Far Away“, aber faszinierend ist, dass die aktuellen Stücke wie „Scaretale“ oder „The Crow, The Owl And The Dove“ zweifelsohne neben diesen Größen bestehen können und ihre Wirkung nicht verfehlen. Letzteres lässt einen dann schließlich noch tiefer eintauchen in diese verträumte Welt und es ist lange her, dass ich einer solch großen Konzerthalle eine derartig intensive Atmosphäre entnehmen konnte. An eine Akustik- Version von „Nemo“, bei der zum Schluss ein Glitterregen die Menge überschüttet, muss ich mich hingegen erst einmal gewöhnen. Auch wenn es an und für sich nicht schlecht klingt, fehlt dem Stück so doch einiges an Überzeugungskraft. Ich merke aber schnell, dass ich mit meiner Meinung relativ alleine dastehe, denn das Publikum ist hellauf begeistert. Nach 16 Stücken verlassen Nightwish die Bühne, werden aber schnell von den Fans wieder nach vorne gebeten, denn ein paar Wünsche sind noch offen geblieben. Und so liefern die begnadeten Finnen neben dem Jean Sibelius Cover „Finlandia“ noch die beiden Kracher vom aktuellen Album „Song Of Myself“ und natürlich passenderweise „Last Ride Of The Day“. Ein genialer, ereignisreicher Abend neigt sich dem Ende und zu den Klängen von „Imaginaerum“ verneigen sich Anette und ihre Mannen vor dem gut gelaunten Düsseldorfer Publikum, das dankbar für dieses unvergessliche Erlebnis ist. Kiitos!

Setlist:
01. Taikatalvi
02. Storytime
03. Wish I Had an Angel
04. Amaranth
05. Scaretale
06. Slow, Love, Slow
07. I Want My Tears Back
08. Come Cover Me
09. The Crow, the Owl and the Dove
10. The Islander (acoustic)
11. Nemo (acoustic)
12. Last of the Wilds
13. Planet Hell
14. Ghost River
15. Dead to the World
16. Over the Hills and Far Away (Gary Moore Cover)
17. Finlandia (Jean Sibelius Cover) (Z)
18. Song of Myself (Z)
19. Last Ride of the Day (Z)
20. Imaginaerum Outro (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Nightwish:


Battle Beast:


Eklipse:


Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon