Dienstag, 21. Oktober 2014
SNOW PATROL - Düsseldorf, Mitsubishi-Electric-Halle (26.02.2012) PDF Drucken E-Mail

Steiler als Snow Patrol hätte man als Musiker wohl nicht durchstarten können! Dass dafür ein Vorlauf von rund 10 Jahren notwendig war, nimmt der begnadeten Formation um Sänger und Gitarrist Gary Lightbody sicherlich niemand krumm, wenn man an ihre nahezu perfekten Popsongs wie „Run“ oder „Chasing Cars“ denkt. Dass sich die beständige, harte Arbeit immer wieder lohnt, zeigt auch der große Fan- Andrang am 26.02.12 in der Düsseldorfer Mitsubishi- Electric- Halle (ehemals Philipshalle). Ausverkauft! Und mit im Gepäck haben die Jungs an diesem Abend nicht nur ihr mittlerweile sechstes Studioalbum „Fallen Empires“, das bis auf Platz 3 in den Charts geklettert ist, sondern auch eine sympathische, gut gelaunte Band aus Irland – Rams‘ Pocket Radio. Diese sollen dann um 20:00 Uhr die Menge gut auf den mit Freuden erwarteten Snow Patrol Auftritt einstimmen.

Schnell füllt sich die Halle, nachdem um 18:00 Uhr die Pforten für die rund 8000 Besucher geöffnet wurden. Dass der Kampf guter Platz – schlechter Platz in den ersten 30 Minuten entschieden werden würde, stand von Vornherein fest. Der harte Kern tummelt sich also vorne vor der Bühne, während andere ihre Spannung mit einem Glas Wein oder einem kühlen Bier befeiern. Um 20:00 Uhr ist es dann so weit und die ersten rockig- poppigen Klänge schallen von der großen Bühne. Rams' Pocket Radio schaffen es, die Menge vom ersten Ton an mitzureißen. Selten habe ich bei einer Vorband eine derart gute Stimmung erlebt, wo man doch hierzulande meist intolerant gegenüber kleineren Bands ist, die sich dann auch noch das Recht herausnehmen, einem die Wartezeit auf den Hauptact etwas zu versüßen. Ganz tolerant und freudig beklatsch man heute jedoch Stücke wie „Dieter Rams Has Got The Pocket Radios“ und gibt sich dem Moment der Freude und natürlich der Vorfreude hin. Nach sechs Songs räumen Kopf der Crew Peter McCauley und seine Band die Bühne und machen Platz für die Briten von Snow Patrol.

Als nach einer kurzen Umbaupause dann das Licht in der Halle gedimmt wird und auf dem riesigen Bildschirm beim Intro „Berlin“ eine glitzernde Erdkugel ihre Runden dreht, geht das ekstatische Gekreische direkt los, fast so als befinde man sich auf einem Teenie- Konzert. Und obwohl die große Halle hauptsächlich von weiblichen Wesen gefüllt ist, sind einige doch bereits weit ab vom typischen Teenie- Alter. Und dann stürmen sie auf die Bühne – Snow Patrol, die Band, auf die sich so viele sicherlich schon Wochen vorher gefreut haben. Mit „I'll Never Let Go“ vom aktuellen „Fallen Empires“ wird dann auch direkt stark losgelegt. Und während die bunten Scheinwerfer durch die Menge tanzen, beweist selbige absolute Textsicherheit und gibt sich voll und ganz dem Moment hin. Eine tolle Eröffnung eines vielversprechenden Abends! „Let me see your hands!“ feuert Gary die ausflippende Masse dann bei „Take Back The City“ direkt weiter an und - wie sollte es auch anders sein – zelebrieren seine Fans diesen fröhlichen Smasher ebenso. Bei „Hands Open“ begibt sich Gary dann mutig zunächst an den vorderen Bühnenrand und die davor aufgebaute Box und bringt die Damen in der ersten Reihe allein damit fast schon um den Verstand, bevor er sogar ganz herunterkommt und die Absperrung zur Menge erklimmt und sich quasi in diese hereinlehnt. Im Nachhinein bedankt er sich für das freundliche Verhalten der Fans. In Schottland sei man nicht so wohlerzogen gewesen und hätte ihm überall hingefasst. Die Interaktion zwischen der Band und dem Publikum hätte an diesem Abend besser nicht sein können. Zwischenzeitlich reißen die Fans dann nicht nur ihre Hände, sonders auch immer wieder Schilder mit „Happy Birthday“ in die Höhe und Schlagzeuger Johnny Quinn, der heute seinen 40. Geburtstag mit uns feiert, zeigt sich deutlich gerührt von dieser herzlichen Geste. Gemeinsam intoniert man dann nicht etwa Happy Birthday, sondern zeigt sein Wohlwollen durch einen Gänsehaut- Gesang bei dem emotionalen „Run“. Einfach großartig, was die textsichere Menge hier auf die Beine stellt!

Aber nicht nur die Fans und die Herren auf der Bühne machen eine gute Figur, sondern auch Sängerin Shauna Tohill, die sowohl die Vorband Rams' Pocket Radio als auch Snow Patrol gesanglich unterstützt. Mitunter geht Gary sogar in die Knie und verneigt sich vor Shaunas Talent – verdient, wie ich finde. Musikalisch fahren die Jungs an diesem Abend einiges an Krachern auf, natürlich viele Stücke vom aktuellen Album wie „This Isn't Everything You Are“, „The Garden Rules“ oder den Titelsong „Fallen Empires“, aber natürlich dürfen neben diesen auch ältere Größen wie bereits genanntes „Run“, „Chocolate“ oder der Publikumsliebling „Chasing Cars“ nicht fehlen. Bei Letzterem sind die Fanchöre dann so laut und deutlich, dass Gary den ersten Refrain direkt den Fans überlässt. An diesem Abend kommen wir von dem überwältigendsten Freudenfeuerwerk immer wieder in bewegendste Gänsehautmomente und genau das ist, was diesen Abend ausmacht und was bestätigt, dass Snow Patrol ihre Erfolgsposition zurecht verdient haben. Mit „You're All I Have“ verabschiedet sich die Band zunächst von der Bühne, wird jedoch wie erwartet von den Fans schnell zurück gerufen. Noch drei Songs schenken Snow Patrol ihren Fans an diesem Abend und so wird nochmal alles gegeben und die Menge saugt alles nur so in sich auf, um schlussendlich mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Mitsubishi- Electric- Halle verlassen zu können.

Setlist:
01. Berlin
02. I'll Never Let Go
03. Take Back The City
04. Hands Open
05. This Isn't Everything You Are
06. Run
07. Crack the Shutters
08. In the End
09. Set the Fire to the Third Bar
10. The Garden Rules
11. Make This Go On Forever
12. Shut Your Eyes
13. Chasing Cars
14. Chocolate
15. Called Out in the Dark
16. Fallen Empires
17. You're All I Have
18. Lifening (Z)
19. Open Your Eyes (Z)
20. Just Say Yes (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Snow Patrol:


Rams' Pocket Radio:


Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon