| Blank & Jones present: So90s (So Nineties) (Deluxe Box) |
|
|
|
|
Die 90er Jahre waren auf musikalischer Ebene recht breitgefächert: Skater Musik, Eurodisco, Techno, Trance, House, Rave, Jungle, Drum ’n’ Bass, Trip-Hop und viele andere Spielarten der Popmusik. Auch die Hip-Hop Musik zog endgültig in die Charts ein, Hardware Sampler für Musikproduktionen wurden erschwinglich und wurden demnach oft eingesetzt. „Sampling“ wurde zum Guten Ton. Grund genug für die Star Djs Blank & Jones sich diesem Jahrzehnt näher zu widmen. Genau wie bei der Samplerreihe So80s wird das erprobte Konzept auch hier angewandt. Auf CD 1 gibt es den Endlosmix der besten Tracks der Dekade und man kann hier wieder bewundern, wie genial die Diskjockeys die Songs ineinandermischen und nach gefühlten 10 Minuten hat man einen sehr guten Überblick des 90er Sounds bekommen. Interessant wird es dann auf Disk 2, auf der man die Songs im Einzelnen bewundern kann. „Stereo MCs“ machen hier den Anfang und die Interpreten bieten typische Danceloops und Mitsinggrooves, „The Lightning Seeds“ hingegen erzeugen ein schönes Britpop Feeling ebenso wie das „New Order“ Side Projekt „Monaco“ mit dem absoluten Ohrwurm „What do you want from me?“. Das absolut unterbewertete Danceprojekt „Kosheen“ aus Bristol lässt jedes Tanzbein zucken und der geniale Gesang von Siân Evans brennt sich in die Gehirnwindungen. Auch Heidi Klums Ex-Mann Seal war ein Kind der 90er Jahre. Schade, dass hier nicht Seals Zusammenarbeit mit „Adamski“ („Killer“) zu hören ist, aber „Crazy“ ist ein absoluter Smasher und hat zu Recht den Weg auf den Sampler gefunden. Die Hochzeit der britischen Kultband Duran Duran war in den 90ern eigentlich bereits vorbei, als die Jungs das unter Fans als das „Wedding Album“bekannte Werk veröffentlichten und „Ordinary World“ als erste Single ausgekoppelt wurde. Und somit auch einer der besten Songs der Gruppe. „P.M. Dawn“ mit „Set Adrift On Memory Bliss (Extended Mix)“ haben seinerzeit alles richtig gemacht, als sie das im Einleitungstext beschriebene Sampling perfekt eingesetzt haben. Ein „Soul II Soul“ Rhythmusloop und Originalsamples aus „Spandau Ballets“ „True“ (Plus Gastauftritt von Tony Hadley im Videoclip) und fertig war der Hit. Weitere Highlights von CD 2 sind ohne Frage die Tracks von „Simply Red“, „New Order“ und auf der Dancemusic Seite „Felix“ und „C+C Music Factory“. Ein paar Durchhänger sollen aber auch nicht verschwiegen werden. „Groove is in the Heart“ von „Deee-Lite“ nervte bereits in der 90ern und „Saint Etienne with Etienne Daho“ wiegen den Hörer aufgrund ihrer Belanglosigkeit in den Schlaf. Mit „Olive“ und „You´re not alone“ geht es leider recht langweilig auf Disk 3 weiter, ein Umstand, der sich erst mit „Erase/Rewind“ und „The Cardigans“ ändert, so charmant und groovig kommt der Klassiker daher. Das Projekt „Electronic“ war ein Zusammenschluss von einigen der wichtigsten Musikern der 80er, nämlich Bernard Sumner („New Order“), Johnny Marr („The Smiths“) und Neil Tennant und Chris Lowe von den „Pet Shop Boys“. „Getting Away With It (12" Extended Version)“ versprüht einiges an 80er Jahre Charme, transportiert in das nachfolgende Jahrzehnt. Noch mehr Britpop gibt es mit dem kultigen „Disco 2000“ und Jarvis Cockers genialer Band „Pulp“, die spätere Bands maßgeblich beeinflussten. Ein weiteres Samplingmeisterstück gibt es mit „DNA Feat. Suzanne Vega“ zu hören. Die Djs schnappten sich ohne Genehmigung Suzannes A Capella Stück „Tom´s Diner“ von ihrer LP Solitude Standing, legten einen Hip-Hop Rhythmus darunter und erschufen somit einen Danceknaller allererster Güte. Mrs. Vega gefiel das so gut, dass sie gottlob auf eine Klage verzichtete. Apropos Sampling: Gregorianische Gesänge und Black Music Loops, das war „Enigma“ (Produzentenlegende Michael Cretu), ein Projekt, welches eine ganze Welle von World Music Hits in Gang setzte. (Man vergleiche hierzu u.a. die kanadische Band „Delirium“, Nebenprojekt von „Front Line Assembly“). Das war es dann auch mit den Hits von CD 3, wäre da nicht der megacoole Song „All together Now“ von „The Farm“, könnte man beruhigt auf die Stoptaste drücken. Absoluter Ausfall: „Serenata Rap“ von „Jovanotti“ - einfach grausam. Bewusst haben „Blank & Jones“ laut Booklet auf Eurodance Tracks verzichtet, eine seltsame Entscheidung als Djs, aber verzeihlich. Aber wo bleiben solch genialen und einflussreichen Bands wie „The Prodigy“, „Portishead“ und „Massive Attack“? Bleibt zu hoffen, dass dieses Versäumnis auf Teil zwei der Samplerreihe wieder gut gemacht wird. Diese Compilation könnte euch gefallen, wenn ihr auf Dance und 90er steht.
Tracklist CD1:
Tracklist CD2:
Tracklist CD3: Bewertung: 7 / 10 Punkten
Autor: Frank Stienen
|




