Donnerstag, 27. November 2014
Collapse Under The Empire – Shoulders & Giants PDF Drucken E-Mail

Dass zeitgenössische Musik auch ohne Gesang funktionieren kann, weiß man dank diverser Chillout-Projekte oder Rockbands wie Apocalyptica bereits, trotzdem wird man als Hörer im Normalfall gerne durch einen Frontmann angeleitet, an die Hand genommen und durchs Album geführt. Auf den Einsatz eines Sängers verzichten manche Projekte trotzdem, darunter auch Collapse Under The Empire, die uns mit „Shoulders & Giants“ ein wirklich interessantes Werk präsentieren. Hinter Collapse Under The Empire verbergen sich die beiden Hamburger Chris Burda und Martin Grimm, die in Fachkreisen schon durch ihr psychedelisches Mini-Album „The Sirens Sound“ und die mit der russischen Band Mooncake aufgenommene Split EP „Black Moon Empire“ für Aufsehen sorgten und nun gleich mit einem ambitionierten Werk aufwarten: Ein Doppelalbum, das in zwei zeitlich getrennten Teilen erscheinen wird. Los geht es in diesem Jahr mit „Shoulders & Giants“, bevor „Sacrifice & Isolaton“ die Dilogie im nächsten Jahr vollenden wird.

Gleich zu Beginn wird man durch den geschickten Instrumenteneinsatz förmlich ins Album hineingesogen und schnell wird klar, dass die Musik von Collapse Under The Empire durchweg als perfekte Untermalung von Filmen dienen könnte. Das gilt sowohl für Soundtrackarbeiten, als auch insbesondere für Filme, die sich vor dem inneren Auge des Hörers abspielen, wodurch man insgeheim für eine visuelle Komponente der eigentlich rein audiophilen Kunst sorgt. Alles wirkt aus einem Guss, aber trotzdem abwechslungsreich und niemals langweilig. Die Klanglandschaften verdunkeln sich ebenso schnell wie sie wieder aufklaren. Mal zeugen düstere Mollklänge von Verzweifelung und Untergang, dann wird es plötzlich chillig und man fühlt sich auf wunderschöne einsame Inseln versetzt. Das Tempo und insbesondere die dahintersteckende Dynamik zieht immer mal wieder an, reißt den Hörer mit, um ihn dann wie bei „There’s No Sky“ urplötzlich wie in einem Film in Zeitlupe wieder an einem neuen Ort zur Ruhe kommen zu lassen. Und hatte ich zunächst noch Bedenken, ob diese Art der Instrumentalmusik mich wirklich auf Albumlänge packen kann, so sind diese Zweifel schnell ausgeräumt. Gerade noch sinnierte ich darüber, wie toll das Album sein könnte, wenn doch nur Gesang dabei wäre, da dämmert es mir auch schon, dass zur Musik von Collapse Under The Empire vermutlich überhaupt kein Gesang passen würde und jeder der es versuchen würde, zum kläglichen Scheitern verdammt wäre. Für reine Gesangslinien ist hier kein Platz, alles ordnet sich der geschaffenen Atmosphäre unter und sorgt so für eine packende Stimmung, die auch vom schönen Albumartwork gestützt wird. Düstere Wolken und karge Landschaften paaren sich mit beißend grünen Wiesen und spiegeln so die Extreme auf dem Weg von Isolation zur absoluten Freiheit und dem alles beendenden Tod wieder.

In den Charts wird man Collapse Under The Empire vermutlich vergeblich suchen, doch bin ich sicher, dass viele Musikliebhaber sich ihrer Musik annehmen und wie ich angetan sein werden. Hier gibt es keine Single zu bestaunen und auch auf Mixtapes ist wenig Platz für das Duo, aber am Stück genossen, gehört „Shoulders & Giants“ sicher zu einer der interessantesten Scheiben des Jahres! Wie schön, dass im nächsten Jahr der zweite Teil des „Doppel-Albums“ erscheint. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, in welche Klanglandschaften uns die beiden Hamburger dann entführen werden.

Tracklist:
01. Shoulders
02. Giants
03. There's No Sky
04. The Last Reminder
05. The Sky Is The Limit
06. Disclosure
07. After The Thaw
08. Days Of Freezing
09. Incident
10. A Riot Of Emotion

Bewertung: 8,5 / 10 Punkte

Autor: Michael Gamon

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