Donnerstag, 02. Oktober 2014
Saltatio Mortis - Sturm aufs Paradies PDF Drucken E-Mail

Saltatio Mortis - Sturm Aufs Paradies


Mit „Aus der Asche“ und „Wer Wind sät“ hatten die Spielmänner von Saltatio Mortis in den vergangenen Jahren bereits zwei geniale Klangwerke für ihre Fans zusammengeschustert. Nun kündigten sie stolz ihr neuestes Machwerk „Sturm Aufs Paradies“ an und sowohl die Fans als auch die Band selbst fieberten dem Release- Datum entgegen. Die Ansage seinerzeit ist klar und deutlich – Sturm aufs Paradies. Nachdem der Wind ja bereits gesät wurde, geht es nun härter, schneller und kompromissloser zu.

Der Opener „Habgier Und Tod“ startet auch direkt mit satten Gitarrenriffs, die von eingängigen mittelalterlichen Klängen untermalt werden. Der kraftvolle Gesang Aleas geht sofort ins Ohr und spätestens beim Refrain kann man sich diesen Song absolut gut live vorstellen, bei dem der Gröhlfaktor vorprogrammiert ist. Ein gelungener Einstieg!

Bei „Hochzeitstanz“ geht es sowohl von den Lyrics als auch von der musikalischen Klangfarbe etwas härter zu. Eine Ode an die Liebe ist dieser Song für den aufmerksamen Hörer nur bedingt und genau dieser Kontrast zum zunächst positiv gestimmten Titel sticht positiv hervor. Ein absolut eingängiger Song, der für Gänsehaut- Feeling sorgt. Eine „Ode An Die Feindschaft“ erwartet uns beim nächsten Track jedoch in jeder Hinsicht. Die ewigen Kritiker der Band bekommen hier ihr Fett weg und auch hier hört man die Fanmenge in Gedanken bereits mitsingen. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ Wenn man die Sprünge auf der Erfolgsleiter der Mannheimer Combo in den vergangenen Jahren beobachtet, kann dies auch sofort unterstrichen werden. Weiter geht es mit „Eulenspiegel“, das auch bei den vergangenen Auftritten bereits live vernommen werden durfte und dort für eine super Stimmung sorgte. Eingängige Flötenmelodien paaren sich mit weiteren mittelalterlichen Instrumenten und erzeugen einen geradlinigen, unkomplizierten Song, der mir bereits nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf gehen mag. Einer meiner Favoriten auf dieser Scheibe! In „Sündenfall“ wird es stimmungsmäßig wieder etwas düsterer und die Gitarrenriffs deutlich metallastiger und ich muss sagen, dass mir diese Seite an Saltatio Mortis wirklich gut gefällt. Eingängig ist auch dieser Song, ist aber inhaltlich und von den transportierten Emotionen her wesentlich vielschichtiger als beispielsweise ein „Eulenspiegel“. „Nachtigall Und Rose“ startet zunächst ruhig und besinnlich, mündet dann jedoch schnell in einer Midtempo- Nummer, die auf einer ausgefeilten Dudelsack- Linie aufbaut, die im Refrain immer wieder aufflammt. Besonders positiv sticht hier die Steigerung hervor, die dem Song entnommen werden kann. Während teilweise die Strophen auf ein Minimum an Instrumenten zurückgreifen, werden nach und nach immer mehr Klangerzeuger mit einbezogen.

An das hohe Niveau der vorangegangenen Songs kann „Gott Würfelt Nicht“ zweifelsohne anknüpfen, wenn auch mit leiseren Tönen und mit Pianountermalung, was für Saltatio Mortis Songs eigentlich eher untypisch ist. Kritisch wird sich hier der Thematik der künstlichen Lebenserhaltung gewidmet, die so von Gott nicht vorgesehen ist. Heraus kommt ein wundervoll ergreifendes und nachdenklich stimmendes Stück mit hohem Gänsehaut- Faktor. Dramatisch und krachiger geht es mit „Nach Tag Und Jahr“ weiter und auch bei „Orpheus“ wird wieder etwas erdiger gerockt. Vor allem bei Letzterem wird die Eingängigkeit wieder ganz groß geschrieben, man bedient sich aber dennoch einer komplexeren Textgestaltung. Zum Schluss wird durch weibliche Vocals ein harmonisches Kontrastspiel geliefert. Bei „Spiel Mit Dem Feuer“ wird es dann wieder leidenschaftlich mittelalterlich. Es ist sicherlich nicht der beste Song auf diesem Album, dennoch gefällt er und macht irgendwie Spaß. Eine für das Mittelalter untypische Thematik ist die Atomkraft. Kritisch widmet man sich dieser jedoch in „Fiat Lux“, umspielt das Ganze mit mittelalterlichen Metaphern und schafft einen vielschichtigen, anspruchsvollen Song. Etwas beschwingter geht es in „Der Letzte Spielmann“ zu und es steht die Frage im Raum, wie es denn wohl wäre, wenn man für einen Tag mit Gott die Plätze tauschen könne. Musikalisch wird es im Refrain ziemlich zackig, was beim Nebenbeihören teilweise etwas stören könnte. Die Scheibe wird mit „Wieder Unterwegs“ beendet, bei dem die freiheitsliebende und unbeschwerte Seite wieder aus dem Vollen schöpfen darf. Ein recht poppiger Song, der auf schwerfällige Gitarrenklänge verzichtet. Ein feiner Abschluss!

Saltatio Mortis liefern mit „Sturm Aufs Paradies“ ein wirklich gelungenes 8. Studioalbum ab, das in meinen Augen seine Vorgänger nochmal übertrumpfen konnte. Der Feinsinn und die Liebe zum Detail, die die Band hierin investiert hat, sind deutlich zu erkennen. Ich bin mir sicher, dass jeder Song live das Potential zum Kracher hat - jeder auf seine Art. Und obwohl man vielleicht beim ersten Hören den Eindruck hat, dass sich einige Song ähneln, stellt man doch beim genaueren Hinhören fest, dass es immer wieder neue Aspekte gibt, die einem positiv auffallen und einen teilweise sogar überraschen.

„Sturm Aufs Paradies“ ist nicht nur ein Muss für jeden Fan, sondern auch für diejenigen, die sich davon überzeugen lassen möchten, dass Medieval- Music mehr ist als die Klampfe und der Dudelsack.

Tracklist:
01. Habgier und Tod
02. Hochzeitstanz
03. Ode an die Feindschaft
04. Eulenspiegel
05. Sündenfall
06. Nachtigall und Rose
07. Gott würfelt nicht
08. Nach Jahr und Tag
09. Orpheus
10. Spiel mit dem Feuer
11. Fiat Lux
12. Der letzte Spielmann
13. Wieder Unterwegs

Bewertung: 10/10 Punkten

Autorin: Tanja Pannwitz

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