Freitag, 19. September 2014
No More - Midnight People & Lo-Life Stars PDF Drucken E-Mail

No More - Midnight People & Lo-Life Stars



Manchmal dauert es etwas länger. Bei No More hat es länger gedauert nämlich: ein knappes Vierteljahrhundert. Beim Namen No More denkt man sofort an zwei Dinge. Zuerst an den dauerhaften Szene Hit „Suicide Commando“ und im nächsten Augenblick an das gleichnamige belgische Elektroprojekt dessen Vorlage eben dieser Song war. Aber heute geht es um die Band No More und ihren aktuellen Sound.

Vor zwei Jahren tourten die Kieler No More durch einige Städte Europas und sammelten auf ihrer Reise Inspirationen für neue Songs. Daraus entsteht ein Album: „Midnight People & Lo-Life Stars“. Das damalige Quartett ist mittlerweile zu einem Duo geschrumpft. Andy A. Schwarz und Tina Sanudakura verabschieden sich von der Vergangenheit und machen im elektronischen Gitarren vermischten Minimal- Indie- Post Sound up to date weiter.

Da stellt sich zurecht die Frage: „Where have all the Zeitgeist gone?“. Zaghaft klopft es mit „Il tempo Reale“ im Jahre 2010 an. Hat sich die Tür zur Gegenwart erst einmal geöffnet zischen die Synthies unbeschwert mit den schwingenden Wellen eines Theremin durch den Opener. Das Licht der Klänge und der sonore Gesang verdunkeln sich angemessen in „Sunday Mitternacht“. Doch die Melodie bleibt treibend und dynamisch. Ein sensibel synthetisches Heulen schwirrt wie eine Sirene zwischendurch den neu aufpolierten, aus dem Jahre ´79 stammenden „Maybe Some Day“. Im klopfendem Rhythmus dreht sich der aktuelle Longplayer in Höchstform weiter und bestimmt mit seinem hämmernden Sound im Titellied „Midnight People & Lo-Life Stars“. Damit sich eine eingehende Unterlage zu der tiefen Stimme des Sängers bildet, bekommt der Hintergrund ein schillerndes Allerlei aus künstlichen Klangerzeugern und Saiten verpasst. So entsteht ein besonderes Flair wenn Andy A. Schwarz über die Nacht und ihre Menschen erzählt. Melancholisch tröpfelt es elektronisch in die Ohren. Still und sprachlos mit einem tiefen Atemzug endet „The Kores Of Stockholm“. Diese schwebende Atmosphäre hält noch einige Minuten mit düster bedrohlichen Geräuschen an. Schwermütig dümpeln sie vor sich her. No More basteln auf „Midnight People & Lo-Life Stars“ ein Patchwork aus den reichhaltig vorhandenen Musikgenres zusammen. Ein ebenso buntes Werk aus Farbe und Klang das sich aus Nachrichtenschlagzeilen der Jahre 1977- 1982 aus Wort und Musik zusammensetzt. Die Melodie taumelt flirrend benommen zu der Collage und vermischt sich sphärisch mit dem knarzenden Sound der Maschinen, bevor die Flut aus Informationen seelenruhig verblasst. Um den Hörer nicht in tiefe Gedanken ertrinken zu lassen bekommt „Midnight People & Lo-Life Stars“ mit „Not Far To Go“ den letzten rhythmischen Schwung Poppigkeit verpasst, bis auf dem langen Weg aus der Versenkung im Hier und Jetzt der letzte Ton verglüht.

Tracklist:
01. Il Tempo Reale
02. Sunday Mitternacht
03. Maybe Some Day
04. Midnight People & Lo-life Stars
05. Esther Says
06. The Kores Of Stockholm
07. Warm Jet Stream
08. Minnie Mouse Over Warsaw
09. Hands In The Dark
10. Inside 1979 / The Unpredictable Sky
11. Not Far To Go


Autorin: Martina Peitz