Mittwoch, 23. Juli 2014
Diorama - Cubed PDF Drucken E-Mail

Diorama sind schon ein Phänomen in der heutigen deutschen Electro-Pop-Landschaft. Ihre Fangemeinde gehört wohl zu den treuesten überhaupt, trotzdem wird die Band unverständlicherweise noch zu den etwas „Kleineren“ in der Szene gezählt. Dabei überzeugt der Verbund um Frontmann Torben Wendt bereits seit 1996 immer wieder durch hochwertige Veröffentlichungen und starke Liveauftritte voller Gefühl und Hingabe.

Nun veröffentlichten Diorama dieser Tage das lang erwartete siebte Album „Cubed“, dem kurz vorher die Single „Child Of Entertainment“ vorgeschaltet wurde. Diese versetzte mich bereits in komplette Verzückung. Zum einen weil „Child Of Entertainment“ von Hause aus ein großartiger Song ist, zum anderen aber auch, weil die Band auf der zugehörigen EP mit diversen Remixen die gesamte Spannbreite ihres Könnens aufzeigt. Hier gibt es alles von der Pianoballade, über Synthpop und Clubfutter, bis hin zu destruktiven Industrialanleihen. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch an den Longplayer. Um es vorwegzunehmen… Zu Recht!

Das Album beginnt mit der angesprochenen Singleauskopplung „Child Of Entertainment“ in einer im Vergleich zur Single nur leicht veränderten Fassung und damit vielleicht mit dem Synthpop-Song des Jahres 2010 überhaupt. Der Song überzeugt nicht nur musikalisch, sondern auch –wie bei Diorama fast schon üblich- mit einem interessanten Text, der zum nachdenken anregt. Das macht gleich Lust auf mehr, doch wer nun dachte, dass Diorama in der Folgezeit auf Nummer sicher gehen würden, sieht sich gleich beim folgenden „Acid Trip“ getäuscht, denn dieses wirkt zunächst mal deutlich schwerer verdaulich, zog mich aber sofort in seinen Bann. Sägende Gitarren und ein repetitiver Gesangspart prägen den Song und lassen niemanden unberührt. Weitaus elektronischer geht’s beim nachfolgenden „Ignite“ zu, denn hier gibt’s Tanzflächenfutter mit Beats, die die Füße automatisch mitwippen lassen.

Auch in der Folgezeit bleibt „Cubed“ stets abwechslungsreich. Umso interessanter, dass alle Songs trotzdem unverkennbar die Handschrift Diorama’s tragen und zu ihrer Identitätsstärkung weiter beitragen. Die Intention hinter dem Albumtitel und damit das Hauptthema der Lyrics wird am besten im Titeltrack selbst beschrieben, wo es heißt „frames to protect and frames to present – we keep on rotating through these golden cages“. Es geht um jegliche Arten von persönlichen Beschränkungen, ganz gleich wie glänzend und angenehm diese auch zu sein scheinen. Um Rahmen und Begrenzungen die soziale Komponenten einem von außen her auferlegen, aber auch um solche, denen man innerlich selbst obliegt. Persönliche Entfaltung ist auch stets eine Frage des „über den Tellerrand hinausblicken Könnens“ und sich nicht seinem Schicksal zu ergeben.

Musikalisch wussten mich Songs wie „Record Deal“ oder „Alpha Animal Complex“ gleich zu überzeugen, doch auch die anderen Songs sind stark und es ist wohl eine der größten Auszeichnungen für ein Album, wenn dieses einem durchweg gefällt, die persönlichen Favoriten aber jederzeit wechseln können. Hier ist jeder Song ein kleiner Juwel, welcher seine Schönheit je nach Stimmung mehr oder weniger entfaltet. Kleine Sache noch am Rande: Ich mag es, wenn Songtitel Wortspiele enthalten und auch hier tun sich Diorama mit solch Titeln wie „Apocalypse Later“ oder „Lord Of The Lies“ durchaus positiv hervor.

Die Rezension möchte ich mit einem Zitat aus „Record Deal“ beschließen, welches Diorama’s Bedeutung, auch durch dieses Album, unterstreicht: "give me a record deal and I will change the world"! Vielleicht gelingt dies nicht für die ganze Welt, aber für ihre alten und neu hinzukommenden Fans wohl durchaus zu einem sehr großen Teil.

„Cubed“ wird bei der Vergabe des Titels „Album des Jahres 2010“ ganz sicher ein gehöriges Wörtchen mitreden, so viel steht fest.

Tracklist:
01. Child Of Entertainment
02. Acid Trip
03. Ignite
04. Gone Gone Gone
05. Cubed
06. Apocalypse Later
07. Record Deal
08. My Counterfeit
09. Refugee
10. Alpha Animal Complex
11. Golden Boy
12. Lord Of The Lies
13. Stereotype


Autor: Michael Gamon


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