Montag, 21. April 2014
Mergel Kratzer - Isotop PDF Drucken E-Mail

Mergel Kratzer - Isotop



Neo-EBM aus Schweden? Wirklich neu klingt das auf Anhieb nicht, da aber Schweden im Electro-Bereich per se seltenst groben Unfug produzieren, horcht man dem weissen Stubentiger mit Gasmaske auf dem Cover neugierig unter die Designer-Haube. Das Trio mit Katze hebt sich auf den Pressefotos schon stilvoll von der nichtssagenden Vielzahl gesichts- und identitätsloser Newcomerkapellen ab und musikalisch lassen Joel Nygren, Angelica Klüft und Julia Meller einen ebensowenig am ausgestreckten Arm verhungern. "Isotop" glänzt mit Tracks, die über Albumlänge wie eine Hommage an die großen stilprägenden Namen der EBM/Electro-Szene anmuten. Die Bandbreite reicht stilistisch von The Klinik und frühen Skinny Puppy über klassische Minimalelectroformationen der frühen 80er, kühle und kraftvolle Female Vocals, die stark an "Propaganda" erinnern, aber auch verzerrte Brachialformate à la Velvet Acid Christ, späte 90er-X Marks The Pedwalk bis Yelworc u.v.a.m.; all das mit Tanzflächenbeschleunigern angereichert, clubtauglich und zeitgemäß aufgebohrt. Man kommt aus Schweden und hat schließlich eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Hörerschaft zu befriedigen und deshalb freundlicherweise in guter nordischer Tradition auf Lückenfüller verzichtet.

Nach mehrfachem Hören stellt sich das Gefühl ein, einen ordentlichen Remix-Sampler aller Elektro-Tanzflächenfüller des vergangen Vierteljahrhunderts in neuem Gewand in Händen zu halten. Trotzdem – oder gerade deshalb: Isotop tritt ordentlich Hintern und wummert sich garantiert in die eine oder andere Sammlung. Ob die optisch leckere Combo allerdings da wirklich auf die Innovations-Geheimwaffe gestoßen ist, sei hier mal in Frage gestellt. Wer kann schon Puls mit Sägezahn (oder umgekehrt) austreiben und dabei selbst so – zugegebenermaßen beeindruckend gut – retro klingen? Und: muss man das, wenn "Isotop" sich mit Stücken, die qualitativ alle in der selben Liga spielen, so gekonnt durch die Genrespielarten pflügt, in die Ohren frisst und Gästebucheinträge ins Trommelfell kratzt?

Die limitierte Erstauflage kommt im Doppelpack mit einigen interessanten Remixen und den seit 2004 veröffentlichten und mittlerweile nicht mehr erhältlichen EPs daher und wertet das Paket noch einmal auf. Ohne Zusatz-CD ist die Spieldauer von gerade einmal knapp über 40 Minuten sicher mager und Frau Klüft dürfte häufiger stimmlich zum Einsatz kommen, dennoch: die jungen Schweden steigen auf einem hohen Niveau ein und und liefern mit "Isotop" ein solides Stück skandinavische Wertarbeit ab.

Tracklist CD1:
01. Iso
02. Get A Taste
03. Prisoner
04. Serve The World
05. Fuglesang
06. Satisfy
07. Xina
08. Abducted
09. Iso (Syndrome X/209 Mix)

Tracklist CD2:
01. Virus
02. Satisfy (Rub My Ducky Remix)
03. Deathgame
04. Iso (Minimale Mix by MK)
05. My Freezer
06. The Phuckomat
07. Iso (Project Rotten Remix)
08. Sniper
09. Virus (Kadaver Mix)


Autor: I. Illés


Weblinks:
www.myspace.com/mergelkratzer
www.mergelkratzer.de
www.trisol.de