Montag, 20. Oktober 2014
Get Well Soon - Vexations PDF Drucken E-Mail

Get Well Soon - Vexations



Seit den ersten Vorankündigungen vor einigen Monaten freue ich mich bereits auf das neue Werk „Vexations“ vom deutschen Musiktalent Konstantin Gropper und seiner Band „Get Well Soon“. Nun ist es endlich da und kann die Vorschusslorbeeren, die das nicht nur von uns mit Lob überschüttete Debütalbum „Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon“ und erste Hörproben und -meinungen hervorriefen, durchweg bestätigen. Nicht ganz bestätigen kann ich allerdings den Eindruck, dass dieses Werk unhörbar düster geworden sein soll, wie ich zuvor gelesen hatte. Im Gegenteil, denn auch wenn Konstantin’s Zweitling weiterhin durchweg intelligent erscheint, über lyrische Texte verfügt und die Klänge sogar dank Xylophon und Co aus noch mehr Instrumenten erschallen, als schon beim Debüt, so erscheint mir persönlich „Vexations“ sogar etwas leichter zugänglich als besagter Erstling. Ganz leichte Kost ist es aber natürlich trotzdem nicht, was uns der Künstler hier vorsetzt, denn Konstantin schielt abseits aller abgetretenen Pop-Pfade weiterhin nicht auf die Charts, sondern auf eine besondere Atmosphäre in seiner Musik. Fast scheint es, als würde die Musik direkt seiner Seele entspringen. „Vexations“ klingt dabei wie aus einem Guss, wofür sicher auch die deutlich kürzere Aufnahmezeit verantwortlich ist, denn anderes als beim Debüt, sind die neuen Songs innerhalb von zwei Monaten entstanden, der Löwenanteil sogar in nur in 14 Tagen. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches Werk, das trotz der Gegensätze von Popsongs a la „Seneca’s Silence“ und schwermütigen Klängen wie bei „That Love“ in sich geschlossen erscheint und den Hörer bei aller Beklommenheit nie alleine zurücklässt.

Thematisch beschäftigt sich „Vexations“ laut Gropper mit dem Ausdruck des Unbehagens, der Entzauberung, des Zorns und dem allgegenwärtigen Konflikt aus „dabei-sein-wollen“ und „in-Ruhe-gelassen-werden“. Gewidmet ist es dem Stoizismus und dessen Vorreiter Seneca, den Gropper auch als geistigen Paten des Albums ansieht, ihm gar in einem Song huldigt. Wenn emotionale Selbstbeherrschung sich so auswirkt wie bei Konstantin Gropper, dann ist es sicherlich ein anzustrebendes Ziel für jedermann, denn kaum jemandem gelingt es so bezaubernd, Gefühle in Songs zu pressen und die Ohren der Zuhörer als Zugang zu nutzen um in seine Gefühlswelt einzudringen.

Was ich wenn überhaupt etwas vermisse, sind die lustige Tracknamen wie „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“ oder „We Are Safe Inside While They Burn Down Our House“ des Debüts, auf die bei „Vexations“ weitestgehend verzichtet wurde, aber was hier zählt ist ja schließlich die Musik und die ist wieder einmal grandios. Persönliche Favoriten zu benennen ist schwer, denn das Album überzeugt durch tolle Popsongs der Marke „Angry Young Man“, aber auch jene Songs, die den Hörer im gesamten Albumkontext mit der geschaffenen Atmosphäre in ihren Bann ziehen. Trotzdem kristallisieren sich gerade „We Are Ghosts“, „Angry Young Man“ und „5 Steps / 7 Swords“ als Ohrwürmer heraus.

„Vexations“ ist ein sicherer Anwärter auf meine Jahres-Top10, der auch durchaus Siegchancen haben könnte. Also unbedingt anhören, dem Album aber auch die notwendige Zeit zum reifen geben! Und wer wie ich nicht genug von Get Well Soon bekommen kann, hat im Frühjahr auch wieder die Chance, die Band live zu bewundern, ein absolutes Muss. Wir werden jedenfalls wieder dabei sein, voraussichtlich am 26.02.2010, wenn Get Well Soon im schönen kölner Gloria aufspielen.

Tracklist:
01. Nausea
02. Seneca's Silence
03. We Are Free
04. Red Nose Day
05. 5 Steps / 7 Swords
06. We Are Still...
07. A Voice In The Louvre
08. Werner Herzog Gets Shot
09. That Love
10. Aureate!
11. We Are Ghosts
12. A Burial At Sea
13. Angry Young Man
14. We Are The Roman Empire


Autor: Michael Gamon

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