Dienstag, 21. Oktober 2014
Perfidious Words - Feel Like Me (CD + DVD) PDF Drucken E-Mail

Perfidious Words - Feel Like Me (CD + DVD)



Perfidious Words sind zurück. Bereits Anfang der Neunziger Jahre gegründet, legten sie um die Jahrhundertwende herum mit „Hydrogen Skies“ und „Spreading The Silence“ zwei reguläre Alben vor, um danach wieder eine längere Pause einzulegen. Diese ist nun beendet und man muss sagen zum Glück, denn „Feel Like Me“ ist bisher sicher eines der stärkeren Stücke Electro Pop des gesamten Jahres 2009.

Schon der Opener „My Body’s Needs“ unterstreicht das eindrucksvoll, vereinnahmt er doch alles, was guten Synthpop ausmacht. Schöne Melodien, ausreichend Energie und eine Prise Gefühl, die beim folgenden „Another Day“ noch weiter an Dominanz gewinnt und auch damit gleich deutlich macht, dass hier die gesamte Bandbreite des Electro Pops abgebildet wird und kein simpler Einheitsbrei serviert werden soll. Auch wenn Perfidious Words diverse Einflüsse wie die von Depeche Mode, Mesh oder selbst die schmeichelnden Sounds von Melotron nicht verleugnen können, so sorgt dies nur dafür, dass man sich schnell zuhause fühlt und die Band mit offenen Armen wieder aufnimmt. Neben den sonst durchweg englischsprachigen Songs, wagen sich die beiden Baden-Württemberger mit „Halt Mich Fest“ auch an einem deutschsprachigen Text, ein Experiment, das nur bedingt gelingt. Der Song an sich ist nett, allerdings wirkt das Langziehen der deutschen Wörter zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig und im Gegensatz zu Melotron, wo der gewisse Kitschfaktor der Songs quasi zum Konzept gehört, verbinden Perfidious Words diesen mit einem etwas treibenderen Rhythmus, was irgendwie in meinen Ohren keine echte Symbiose eingehen möchte. Der Song endet abrupt, als hätten sich auch die Musiker hier gesagt „lass uns zu unseren wirklichen Stärken zurück kommen“ und erhöhen beim Titeltrack „Feel Like Me“ die Intensität wieder, wobei Ähnlichkeiten des Songnamens, der Stimmlagen und die eingesetzten düsteren Bassklänge zu einer anderen bekannten Band natürlich rein zufällig sind ;-) Mollklänge bestimmen auch das nachfolgende „Somehow“, eine düstere Ballade, die zerbrechlich minimal dargeboten wird und der Musik durch den geringen Einsatz von Gesang viel Raum zur Entfaltung verleiht. Bei „Patience“ bleibt es verträumt, wenn auch bereits wieder etwas beatlastiger, bevor PerfidiousWords mit „Take Me Back“ gerade rechtzeitig wieder die Kurve kriegen und an Dynamik zulegen und den Dancefloors der Republik weiteres Tanzflächenfutter zum Fraß vorwerfen. Etwas verloren wirkt danach die nächste Downtemponummer „Stay“, die stilistisch eher weiter in die Mitte gepasst hätte, aber vielleicht mit ihren Pianoklängen auch noch einmal den sehnsüchtigen Charakter von „Feel Like Me“ unterstreichen soll.

Insgesamt ein schönes neues Lebenszeichen der beiden, wobei mich die imaginäre A-Seite mehr zu überzeugen wusste, als die „Rückseite“. Insbesondere „My Body’s Needs“ und „Another Day“ gleich zu Beginn werden sicher einen Eindruck in der Szene hinterlassen und man kann nur hoffen, dass Perfidious Words uns nun auch konstanter erhalten bleiben und auch mal wieder auf deutschen Bühnen anzutreffen sein werden.


Tracklist CD:
01. My body’s needs
02. Another day
03. Hear me calling
04. Mirror
05. Questions
06. Halt mich fest
07. Feel like me
08. Somehow
09. Patience
10. Take me back
11. Stay

Bewertung : 8 / 10 Punkte


Das wars dann aber auch noch nicht ganz, denn neben der besprochenen CD, enthält „Feel Like Me“ zudem auch noch eine Bonus-DVD mit Liveaufnahmen von früheren Konzerten der Band, darunter der gesamte Auftritt beim Dark Dance Treffen in Lahr am 08.10.2005. Aufnahmen von Studiosessions und das Musikvideo zu „Spreading Silence“ runden das Paket ab. Genug Stoff für den Synthie-Fan, um über die Anschaffung nicht lange nachdenken zu müssen.


Tracklist (DVD):


Live in Lahr (Dark Dance Treffen 2005):
01. Intro
02. Veil of secrecy
03. Somewhere must be heaven
04. Mystify me
05. Sickliest creep
06. Halt mich fest
07. Spreading silence
08. Take me back
09. Into my arms
10. Another day
11. Without pride
12. Ruined

Live in Rom (Italien):
01. Sicklest creep
02. Without pride

Studiosessions:
01. Another day
02. Swallowing my body
03. Halt mich fest
04. Another day (Unplugged)

Musikvideo:
01. Spreading silence (Music Video)


Autor : Michael Gamon