Samstag, 30. August 2014
Dead Guitars - Flags PDF Drucken E-Mail

Dead Guitars - Flags



Wenn man sieht, wie viele neue, und zum Teil maßlos überschätzte, Bands wie Pilze aus dem Boden schießen, ist es geradezu eine Wohltat, wenn man es mit Gruppen wie den Dead Guitars zu tun bekommt. Hier sind Musiker am Werk, die ihr Handwerk verstehen und schon über reichlich Erfahrung in anderen Formationen verfügen. Ihr Debütalbum „Airplanes“ war nicht umsonst unser Album des Jahres 2007 und nun liegt mit „Flags“ der Nachfolger in den Regalen der Shops und hoffentlich auch in möglichst großer Anzahl in denen der Hörer. Für die Aufnahmen haben sich die fünf zudem prominente Verstärkung geholt und so sind Mark Gemine Thwaite, Wayne Hussey und Rich Vernon (alle von The Mission) an jeweils einem Song beteiligt, ebenso wie der von Bands wie den Ärzten oder Fehlfarben bekannte Markus Türk und die beiden Mönchengladbacher Lokalmatadoren Georg Sehrbrock und Michael van Hehl, die beide ihre Spuren bei „On A Trip Elsewhere“ hinterließen.

Seit „Airplanes“ hat sich einiges getan, die Band ist nun auch im Studio vom Trio zum Quintett angewachsen, dabei noch experimentierfreudiger geworden und setzt ihren Trend, den Songs ausreichend Zeit und damit Platz zum entfalten zu geben, konsequent weiter. Abgesehen vom Kurzinstrumental „Sacre Coeur“ liegen mit dem Lagerfeuerromantik versprühenden „Raise Your Flags“ und dem etwas flotteren „Slowdown“ nur zwei Tracks unterhalb der magischen fünf Minuten Marke und somit fernab vom typischen 3-Minute-Popsong. Auch von der Vorgabe, dass ein Album mindestens einen Song mit Singlecharakter aufweisen muss, hat man sich gelöst, am ehesten verfügt noch der Eröffnungstrack „Pristine“ über derartige Qualitäten, aber auch dieser endet in einer wahren Instrumentenschlacht, bei der die Jungs ihrer Spielfreude freien Lauf lassen können. Überhaupt merkt man dem Album an, dass viel Wert auf Improvisation gelegt wurde. Dazu passt, dass die Tracks bei Konzerten eine zum Teil vollkommen andere Interpretation erfahren und so der Spannungsbogen stets hoch gehalten wird. Nach dem groovigen „Watercolours“, das schon fast hypnotische Züge annimmt, wird es ruhig, wenn Sänger Carlo van Putten von The Mission Sänger Wayne Hussey bei „Isolation“ am Micro unterstützt wird. Gleich darauf folgt der Geheimfavorit des Albums: „Blue“. Geheim darum, weil viele der Songs erst nach mehrfachem Genuss ihre wahre Schönheit offenbaren, den Hörer dann aber vollends fesseln. In der Folgezeit bleibt es abwechslungsreich, denn es werden Einflüsse aus den verschiedensten Guitarrockbereichen als Zutat zu einem neuen Soundmix verwendet, ohne dabei der Identität der Band zu wiedersprechen.

Wer nun dachte, gegen Ende geht den Dead Guitars die Puste aus, der sieht sich getäuscht, denn nun geht die Improvisation gerade erst richtig los. Dauert „Miss America“ noch fast normalwirkende sechs Minuten, lässt sich die Band bei „On A Trip Elsewhere“ immerhin neun und beim tollen „Silver Cross River“ sogar mehr als zehn Minuten Zeit, um den Song wirken zu lassen ... mit Erfolg! Mit dem verspielten Piano-Instrumental „Lazy Moon“ endet, bei der uns vorliegenden Erstausgabe, der zweite große Wurf der Dead Guitars. Auf der nun erhältlichen Verkaufsversion befinden sich zudem noch zwei Remixe, die Gitarist Ralphonzo beisteuerte. Ein Album, dass sich wohlwollend aus der Masse der Veröffentlichungen heraushebt und eine ganz eigene Note in der Szene hinterlässt.

Tracklist:
01. Pristine (feat. Mark G.Thwaite)
02. Watercolours (feat. Markus Türk)
03. Isolation (feat. Wayne Hussey)
04. Blue (feat. Rich Vernon)
05. Goodbye Wildlife
06. Raise Your Flags
07. Slowdown
08. Sacre Coeur
09. Miss America
10. On A Trip To Elsewhere (feat. G.Sehrbrock, M.v.Hehl)
11. Silver Cross River
12. Lazy Moon
13. Goodbye Wildlife (Trashmix by Ralphonzo66)
14. Isolation (Remix by Ralphonzo66)

Bewertung : 9 / 10 Punkte


Autor : Michael Gamon